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4.8.2006 | Von:
Peter Meyns

Afrika zwischen Autokratie und Demokratie

Die politische Transition in Afrika hat zu ungleichmäßigen Entwicklungen und unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Die Demokratie scheint aber zum generellen Bezugspunkt des politischen Wandels in Afrika geworden zu sein.

Einleitung

Gut 15 Jahre ist es her, dass der Wind des demokratischen Wandels den afrikanischen Kontinent erreichte und eine politische Entwicklung auslöste, die verschiedentlich als zweite Befreiung oder zweite Demokratisierung bezeichnet wurde, um die Ablösung autokratischer Herrschaftsformen, welche die nachkoloniale Entwicklung nach einer kurzen Phase demokratischer Herrschaft weithin geprägt hatten, zu charakterisieren. Die weltpolitischen Veränderungen der späten achtziger Jahre waren damals der äußere Auslöser; die Bedingungen für den eintretenden Wandel waren jedoch in den verschiedenen Ländern Afrikas selbst nach jahrelanger ökonomischer Misswirtschaft und selbstherrlicher Einpartei- und oft sogar Ein-Mann-Herrschaft herangereift.[1]




Heute gibt es nur wenige Staaten in Afrika, die nicht Mehrparteiensysteme sind und regelmäßig Wahlen abhalten. Dennoch ist die Euphorie der Anfänge der zweiten Demokratisierung längst einer Ernüchterung gewichen, die in vielen Ländern hinter der Fassade formaler demokratischer Institutionen neue oder fortdauernde autokratische Herrschaftspraktiken erkennt. Beispielhaft belegen die Überschriften, die der renommierte amerikanische Afrikaforscher Richard Joseph für zwei Aufsätze zur politischen Entwicklung in Afrika gewählt hat, diesen Stimmungsumschwung[2]. In der demokratischen Transitionsforschung verlagerte sich das Interesse auf die Unvollkommenheiten der Demokratieentwicklung in Afrika ebenso wie in anderen Teilen der Welt, und Begriffe wie "defekte Demokratie", "illiberal democracy" und "blockierte Demokratien" wurden geprägt, um diese zu charakterisieren.[3]

Fußnoten

1.
Vgl. Michael Bratton/Nicolas van de Walle, Democratic Experiments in Africa, Cambridge 1997.
2.
Vgl. Richard Joseph, Africa: The Rebirth of Political Freedom, in: Journal of Democracy, 2 (1991) 4, S. 11 - 24; ders., Africa, 1990 - 1997: From Abertura to Closure, in: Journal of Democracy, 9 (1998) 2, S. 3 - 17.
3.
Vgl. Wolfgang Merkel u.a., Defekte Demokratie, Band 1: Theorie, Opladen 2003; Gunter Schubert/Rainer Tetzlaff (Hrsg.), Blockierte Demokratien in der Dritten Welt, Opladen 1998.