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Das ehemalige Reichs-Kolonialdenkmal "Der Elefant", ein aus Backstein errichtetes zehn Meter hohes Mahnmal im Nelson-Mandela-Park in Bremen, wurde 1987 zu einem Antikolonialdenkmal umgewidmet.

27.9.2019 | Von:
Albert Gouaffo
Richard Tsogang Fossi

Spuren und Erinnerungen hundert Jahre nach der deutschen Kolonialzeit in Kamerun

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erlebte die Welt ein Wettrennen europäischer Mächte um Kolonialbesitz, den viel zitierten "Scramble for Africa". In diesem Hochimperialismus genannten Zeitalter ging es um Weltmachtansprüche, wirtschaftspolitisches Dominanzstreben, nationales Prestige, billige Rohstoffe und Absatzmärkte für industrielle Produkte. Auf der Berliner Afrika-Konferenz (oder Kongo-Konferenz), die zur Jahreswende 1884/85 in Berlin stattfand, beschlossen die Vertreter von zwölf europäischen Staaten, der USA und des Osmanischen Reichs die Modalitäten für die Aufteilung Afrikas sowie den freien Zugang für den Handel und Missionstätigkeiten auf dem Kontinent. Obgleich sich die Aufteilung Afrikas unter den Kolonialmächten keineswegs allein auf die Berliner Afrika-Konferenz zurückführen lässt, gilt sie heute unter Afrikanern als Menetekel für die Fremdbestimmung und Ausbeutung ihres Kontinents.

Kamerun wurde offiziell am 12. Juli 1884 zum deutschen "Schutzgebiet" erklärt, nachdem kurz zuvor einige Verträge mit den Herrschern am Kamerunfluss unterzeichnet worden waren.[1] Die rund dreißigjährige koloniale Fremdherrschaft des deutschen Kaiserreichs endete während des Ersten Weltkrieges im Jahre 1916. Obwohl in der Forschung die Tendenz besteht, die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun im Vergleich zu der französisch-englischen in ihren Folgen zu unterschätzen,[2] ist nicht zu übersehen, dass auch dieses "Kolonialabenteuer" Spuren im Land hinterlassen hat, die heute aufgearbeitet werden müssen. Hier wird danach gefragt, wer die Akteure waren und über welche Medien sich die Erinnerungsarbeit vermittelt. Das Augenmerk wird dabei zum einen auf die deutsche Kolonialarchitektur und zum anderen auf die geteilte deutsch-kamerunische Geschichte als Erinnerungstopos in der Literatur gerichtet.

Fußnoten

1.
Schon vor der Berliner Konferenz waren deutsche Händler seit etwa 1860 am Kamerun-Fluss ansässig. Damals existierte Kamerun aber noch nicht als Kolonie, die Einflusssphäre beschränkte sich hauptsächlich auf einige Douala-Dörfer an der Küste. Erst mit Unterzeichnung der Deutsch-Douala-Verträge 1884 begann das Deutsche Reich, das Hinterland zu erforschen, zu erschließen und zu erobern. Vgl. Florian Hoffmann, Okkupation und Militärverwaltung in Kamerun. Etablierung und Institutionalisierung des kolonialen Gewaltmonopols 1891–1914, Bd. 1, Göttingen 2007.
2.
Siehe z.B. Anna-Maria Brandstetter, Kolonialismus. Wider die vereinfachenden Dichotomien, in: Albert Wirz/Jan-Georg Deutsch (Hrsg.), Geschichte in Afrika. Einführung in Probleme und Debatten, Berlin 1997, S. 75–105.