Das ehemalige Reichs-Kolonialdenkmal "Der Elefant", ein aus Backstein errichtetes zehn Meter hohes Mahnmal im Nelson-Mandela-Park in Bremen, wurde 1987 zu einem Antikolonialdenkmal umgewidmet.

27.9.2019 | Von:
Albert Gouaffo
Richard Tsogang Fossi

Spuren und Erinnerungen hundert Jahre nach der deutschen Kolonialzeit in Kamerun

Schluss

Die deutsch-kamerunische Geschichte, die vor 140 Jahren begann, hat Brüche erfahren. Den Anfang markiert eine Kolonialgeschichte, der der Erste Weltkrieg ein Ende setzte, die aber in der Erinnerungskultur fortlebt und auf unterschiedliche Weise wachgehalten und kritisch reflektiert wird. Dazu gehören Aneignungs- wie Umdeutungsversuche auf beiden Seiten. Auf kamerunischer Seite stellt sich die Erinnerungsarbeit manchmal überaus ambivalent dar. So stoßen etwa einige Kolonialbauten aus der deutschen Kolonialzeit auf Bewunderung,[26] andererseits werden sie als Zeichen eines vergangenen Unrechtssystems rezipiert, unter dem die Kolonisierten leiden mussten. Deutsche Architektur und andere Erinnerungsorte symbolisieren Modernisierung, aber auch Zwangsarbeit, Unterdrückung, Deportation, Tod und Grausamkeit der Kolonialherren. Diese Ambiguität bleibt auch in den literarischen Werken Kameruner Autoren, die die deutsche Kolonialvergangenheit zum Thema machen, erkennbar. Aber das deutsch-kamerunische Gedächtnis steht heute auch im Zentrum gemeinsamer Projekte, die durch Feldforschungen und Wiederentdeckung historischer Materialien und topografischer Orte die geteilte Geschichte in bestimmten Regionen in beiden Ländern aufarbeiten.[27]

Dieser Text erschien erstmals in: Marianne Bechhaus-Gerst/Joachim Zeller (Hrsg.), Deutschland postkolonial? Die Gegenwart der imperialen Vergangenheit, Berlin 2018.

Fußnoten

26.
Vgl. Albert Gouaffo, Interkulturalität der kolonialen Kultur: Zur Fiktionalisierung der deutschen kolonialen Vergangenheit in der kamerunischen Gegenwartsliteratur, in: Deutsch als Fremdsprache. Zeitschrift zur Theorie und Praxis des Deutschunterrichts für Ausländer 1/2005, S. 33–41.
27.
Dies gilt etwa für das Projekt "(Post-)koloniale Erinnerungsorte im Rheinland und im Grasland Kameruns – ein transregionales Forschungsprojekt. Das Kameruner Grasland und die deutsche Kolonialzeit" an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Siehe http://www.deutschland-postkolonial.de«.