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30.3.2006 | Von:
Crister S. Garrett

Ein Brückenschlag zwischen "altem" und "neuem" Europa

Die europäisch-amerikanischen Beziehungen stehen an einem Wendepunkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel kann es gelingen, die bestehenden Spannungen abzubauen - wenn sie dabei auf enge transatlantische Zusammenarbeit setzt.

Einleitung

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Münchner Sicherheitskonferenz zu Jahresbeginn erklärte, es sei an der Zeit, dem Iran deutlich zu machen, welche Formen internationalen Verhaltens inakzeptabel sind, zog sie eine historische Parallele zu den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts und dem, was in Deutschland und Europa hätte verhindert werden können, wenn die internationale Gemeinschaft in dieser Zeit entschlossener gehandelt hätte.

William Cohen, früherer Senator von Maine, Verteidigungsminister unter Bill Clinton und ein gemäßigter Republikaner, bewertete die Bemerkungen Merkels folgendermaßen: "In Tonfall, Inhalt und Substanz haben wir von der deutschen Delegation bei dieser Konferenz eine andere Botschaft empfangen als jene, an die wir uns in den vergangenen Jahren gewöhnt hatten."[1]

Hinter sich gelassen hat man jedenfalls jene harsche Sprache auf dem Höhepunkt der Spannungen über eine mögliche Irak-Invasion, als in der Bush-Administration vor drei Jahren von einem "alten" und einem "neuen" Europa die Rede war und davon gesprochen wurde, "Deutschland zu ignorieren". Es wird in Zukunft gewiss keine Rückkehr zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen geben, wie sie vor dem 11. September existierten, und erst recht nicht wie am Ende des Kalten Krieges.

Wahrscheinlich werden wir die deutsch-amerikanischen und die europäisch-amerikanischen Beziehungen vor einem neuen Hintergrund sehen, der sich aus den Entwicklungen in jüngerer Zeit ergibt. Möglicherweise werden wir sogar Zeugen eines symbolischen und substanziellen "Brückenschlags" zwischen dem "alten" und dem "neuen" Europa, der die deutsch-amerikanischen Beziehungen in einen neuen Kontext stellt und den transatlantischen Bindungen neuen Auftrieb verleiht.

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Susanne Laux (Königswinter).


Fußnoten

1.
Zitiert nach "Frau Merkels Gespür für Stil", in: Süddeutsche Zeitung vom 6.2. 2006.