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25.1.2006 | Von:
Golz, Hans-Georg

Editorial

Die Digitalisierung der Kommunikation hat ganz neue Voraussetzungen für eine vernetzte Datensammlung geschaffen. Angesichts terroristischer Bedrohungsszenarien ist die Bereitschaft groß, im Namen der Sicherheit das Private sorglos preiszugeben.

Mitte der achtziger Jahre sorgte die bevorstehende Volkszählung in der alten Bundesrepublik für Aufruhr. Eine starke Protestbewegung rief zum Boykott auf. Per Fragebogen wurden schließlich 1987 Haushaltsgrößen, Wohnverhältnisse, Altersstruktur und Arbeitsstätten ermittelt. Der "Zähler" ging damals von Haus zu Haus.

Mit der Digitalisierung der Kommunikation im 21. Jahrhundert wurden ganz neue Voraussetzungen für eine vernetzte Datensammlung geschaffen. Bei der Zahlung mit Kredit- und Kundenkarten, bei Online-Buchungen, beim Surfen im Internet, bei der Nutzung von Mobiltelefonen und bei der Mauterfassung entstehen Datenspuren, die "verdachtsunabhängig" gespeichert werden. Zudem schreitet die elektronische Überwachung öffentlicher Räume fort. Immer kleinere, "intelligente" Funketiketten sowie biometrische Kennzeichen in Personaldokumenten sind Vorboten einer neuen, vernetzten Welt, in der umfassende Datenspeicher miteinander kommunizieren. Mit der Sammelwut wächst auch der Datenmüll. Stehen beispielsweise die Erträge des globalen Lauschangriffs via Satellit und Internet im Verhältnis zum Aufwand? Von den Terroranschlägen des 11. September 2001 wurden die Geheimdienste der USA offenbar völlig überrascht. Doch angesichts terroristischer Bedrohungsszenarien ist die Bereitschaft groß, im Namen der Sicherheit das Private sorglos preiszugeben.

Nicht nur das demokratische Freiheitsrecht auf informationelle Selbstbestimmung, sondern auch das kulturelle Gedächtnis steht im digitalen Zeitalter zur Disposition. Super-8-Filme, Dias, Videobänder, Disketten und selbst CD-ROMs sind Medien der Vergangenheit. Auf ihnen gespeicherte Daten drohen in naher Zukunft unwiederbringlich verloren zu gehen.