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Computer und Nachhaltigkeit


25.1.2006
Verschiedene Diskurse aus der IT-Welt werden als Nachhaltigkeitsdebatten vorgestellt, indem sie auf ihren normativen Grundgedanken, die Vermittlung zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen, reduziert werden.

Einleitung



Am 22. April, dem weltweiten Aktionstag für die Erde (Earth Day) des Jahres 2005, versammelten sich Aktivisten verschiedener Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zu einer unApple-Kampagne vor dem Hauptquartier der Firma Apple Computers in Cupertino, Kalifornien. Mit ihrem Protest wollten sie das Unternehmen ermahnen, soziale und ökologische Standards einzuhalten. Zwar feierte die Computerfirma inden vergangenen Quartalen einen Rekordgewinn nach dem nächsten. Im Vergleich zu den Konkurrenten Hewlett Packard und Dell, so der Kernvorwurf der Aktivisten, sei Apple allerdings ein Nachzügler im Umgang mit Elektroschrott und produziere weiterhin Produkte mit hohen Anteilen umwelt- und gesundheitsschädigender Schwermetalle.

In Europa, insbesondere in Deutschland, wurde für die Giftstoff- und Elektroschrottdebatte vergleichsweise schnell ein institutioneller Rahmen geschaffen: Im Januar 2003 erließ die Europäische Union Richtlinien zur Reduzierung gefährlicher Stoffe in Neugeräten und zum Umgang mit Altgeräten. Alseiner der ersten Mitgliedstaaten setzte Deutschland beide Richtlinien mit dem am 23. März 2005 in Kraft getretenen "Gesetz über das Inverkehrbringen, dieRücknahme und die umweltverträglicheEntsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten" (ElektroG) in nationales Recht um.

Die Giftstoff- und Elektroschrottdebatte dient als anschauliches und aktuelles Beispiel für einen Ausgleich zwischen ökonomischen Interessen und ökologischen sowie sozialen Forderungen unterschiedlicher Akteure innerhalb der Welt der Informationstechnologie (IT). Ähnlich geartete Debatten haben die IT-Branche in der Vergangenheit stark geprägt, ja gespalten: Schlagworte wie Freie Software, Digitale Spaltung, Softwarepatente und Open Source bergen seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten ein starkes Konfliktpotenzial. Die mit diesen Schlagworten belegten Debatten wurden bisher selten mit dem Begriff Nachhaltigkeit assoziiert. Das dürfte vornehmlich daran liegen, dass ihr Schwerpunkt meist auf dem Ausgleich ökonomischer und sozialer Interessen lag. Ökologische Aspekte spielten höchstens im Hinblick auf Gesundheitsaspekte und den Verbraucherschutz eine Rolle.

Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Mittlerweile hat er eine bemerkenswerte Karriere alspolitisches Konzept hinter sich und sickert seit einigen Jahren verstärkt in den alltäglichen Sprachgebrauch. Die Folge sind konkurrierende Begriffsdefinitionen und einewachsende Ambiguität. Gemäß dem 1987 veröffentlichten Zukunftsbericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Report) wird Nachhaltigkeit hier als ein auf die Ausgewogenheit ökonomischer, ökologischer und sozialer Interessen gerichteter Aushandlungsprozess verschiedener Akteure und Interessengruppen verstanden.[1]

Einige dieser Aushandlungsprozesse werden im Folgenden skizziert und auf ihren normativen Grundgedanken reduziert: dieVermittlung zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen. Eine solche Reduktion öffnet die Diskurse der IT-Welt für Außenstehende und erlaubt einebreitere Vermittlung dessen, worum es in den teilweise sehr technischen Debattenjeweils geht. Dadurch wird eine breite Partizipation an der Diskussion der Frage ermöglicht, in welcher Welt wir mit welcherTechnik leben wollen. Diese Partizipation ist die notwendige Voraussetzung fürjegliche Form nachhaltiger Entwicklung.


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Fußnoten

1.
Vgl. World Commission for Environment and Development (WCED), Our Common Future, New York 1987.