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9.8.2007 | Von:
Michaela Schier
Karin Jurczyk

"Familie als Herstellungsleistung" in Zeiten der Entgrenzung

Ausblick

Die doppelte Entgrenzung erfordert von Familien neue Gestaltungsleistungen im Rahmen ihrer alltäglichen Lebensführung. Dies gilt für die zeitlichen Rahmungen des Familienlebens wie für die Quantität und Qualität der räumlichen Kopräsenz. Permanent wechselnde Arbeitszeiten, die oft mit erhöhten psychischen und physischen Belastungen einhergehen, erschweren verbindliche Beziehungen und verlässliche Fürsorgeleistungen. Die Ausdünnung gemeinsamer Anwesenheiten und Aktivitäten über einen längeren Zeitraum hinweg macht es schwer, Familie als lebendiges Ganzes wahrzunehmen. Damit verschwindet tendenziell die Selbstverständlichkeit von Gelegenheiten für ein Doing Family, die Möglichkeit der Beiläufigkeit der sozialen Interaktionen droht verloren zu gehen.

Aus den hier angestellten Überlegungen ergibt sich im Hinblick auf die Zukunft von Familie ein Kaleidoskop künftiger Aufgaben für Forschung und Politik: Erstens steht die theoretische Weiterentwicklung und konzeptuelle Ausarbeitung des Begriffs der "Familie als Herstellungsleistung" an. Zur empirisch fundierten Konzeptentwicklung sind zweitens weitere vertiefende empirische Untersuchungen der alltäglichen Lebensführung von Familien und ihrer Praktiken des Doing Family erforderlich. Wie erste Ergebnisse unseres derzeit laufenden Forschungsprojekts[29] zeigen, wirken manche der Alltagspraktiken, die von den familialen Akteuren im Umgang mit der doppelten Entgrenzung entwickelt werden, wiederum auf die Erwerbswelt zurück. Damit müssen drittens die Bedarfe zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Familie zukünftig auch in der Erwerbswelt aktiv aufgegriffen werden, z.B. im Hinblick auf den Erhalt der Nachhaltigkeit des Arbeitsvermögens oder auf die Entwicklung von neuen Vereinbarkeitspolitiken.[30] Viertens rückt die Dimension Zeit als Qualitätszeit im Sinne von hergestellter Beiläufigkeit neu in den Blick.

Fußnoten

29.
Vgl. das Projekt "Entgrenzte Arbeit - entgrenzte Familie (Anm. 24).
30.
Anmerkung der Redaktion: Siehe hierzu den Beitrag von Christiane Klenner in diesem Heft.