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30.7.2007 | Von:
Golz, Hans-Georg

Editorial

Ein wachsender Teil der Bevölkerung kann mit den traditionellen Angeboten der politischen Bildung nicht mehr erreicht werden. Experten suchen daher verstärkt nach neuen Produkten und Veranstaltungsformen.

Ein wachsender Teil der Bevölkerung scheint dem Politischen gleichgültig gegenüberzustehen. Individuelle Entgrenzungserfahrungen in einer globalisierten Welt haben zu tiefen Verunsicherungen geführt. Die sich beschleunigende gesellschaftliche Modernisierung und die wachsende Komplexität des Alltags sind große Herausforderungen für die politische Bildung. Die Zukunftsfähigkeit der Zivilgesellschaft hängt von der Integrationskraft öffentlicher, manchmal langwieriger Aushandlungsprozesse und der legitimen Wahrnehmung von Interessen ab.

"Politik-" bzw. "bildungsferne" Schichten sind spätestens seit dem Befund der jüngsten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung über soziale Milieus in das Blickfeld geraten. Ein wachsendes "Prekariat" wurde konstatiert. Darf man sich damit abfinden, dass eine gesellschaftliche Schicht mit den traditionellen Angeboten der politischen Bildung offenbar nicht (mehr) erreicht werden kann? Was ist heute "politisch"?

Die Anbieter und Träger der politischen Bildung suchen verstärkt nach neuen, jugendaffinen Produkten und Veranstaltungsformen. Die Bilderfluten der Medien und vor allem des Internets erfordern eine zeitgemäße Film- und Medienpädagogik. Eine Elementarisierung der politischen Inhalte kann dabei hilfreich sein. Doch lassen sich komplizierte, Staat und Gesellschaft konstituierende Sachverhalte stark vereinfacht noch adäquat darstellen? Es sollte nicht voreilig preisgegeben werden, was klassische politische Bildung ausmacht: die Thematisierung des Politischen, um Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die dabei helfen, sich im Prozess der demokratischen Willensbildung zu orientieren und ihn mitzugestalten.