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Glaube und Vernunft im Islam

21.6.2007

Glaube und Vernunft im gegenwärtigen Islam



Wie sich aus dieser kurzen Skizze erkennen lässt, gab es bereits während der Frühzeit des Islam eine ganze Reihe von Versuchen, die Rolle, die Möglichkeiten und die Grenzen der Vernunft zu bestimmen. Die meisten Autoren waren sich einig, dass die Vernunft ein Geschenk Gottes ist, das der Mensch einzusetzen hat. Welche Dinge der Mensch mit seiner Vernunft allerdings erkennen konnte und welche ihm verschlossen blieben und, umgekehrt, wo eine vernunftgemäße Erkenntnis notwendig war - bei all diesen Fragen herrschten große Unterschiede unter den muslimischen Theologen. Diese Unterschiede bestehen auch in der Gegenwart, wobei sich in der islamischen Welt inzwischen eine große weltanschauliche Vielfalt finden lässt, darunter auch radikal rationalistische, säkulare oder atheistische Ansichten.

Unter Denkern, die an die religiöse Traditionen anknüpfen, gibt es oftmals Versuche, das rationalistische Erbe des Mittelalters neu zu beleben, etwa die Tradition der Mu'taziliten oder die Philosophie Ibn Rusds.[10] Oftmals werden dabei die wissenschaftlichen Leistungen der Muslime in der Vormoderne als Beweis dafür zitiert, dass Religion und vernunftgestützter Fortschritt nicht im Widerspruch stehen, sondern dass rationale Erkenntnis aus echter Gläubigkeit erwachsen kann, teilweise aus sehr praktischen Gründen. Ein Beispiel dafür sind die Entwicklungen in der Astronomie, die u.a. mit der Bestimmung der Gebetsrichtung in Verbindung stehen.[11]

Auch konservative Autoren plädieren oft für eine Verwendung der Vernunft, damit die muslimische Welt ihren Rückstand gegenüber dem Westen überwindet. Ihre Grundannahme ist dabei erneut die einer grundsätzlichen Harmonie von offenbarungsgestützter und vernunftgestützter Erkenntnis. Letztere kann zu einer Korrektur einzelner Interpretationen der religiösen Autoritäten führen, den Grundwahrheiten des islamischen Glaubens kann sie allerdings nicht entgegenstehen.


Fußnoten

10.
Vgl. R. C. Martin (Anm. 6), und zur modernen Rezeption der Mu'taziliten Thomas Hildebrandt, Waren Ğam?l ad-D?n al-Af??n? und Muh. ammad 'Abduh Neo-Mu'taziliten, in: Die Welt des Islams, (2002) 42, S. 207-262, und Neo-Mu'tazilismus? Intention und Kontext im modernen arabischen Umgang mit dem rationalistischen Erbe des Islam, Leiden 2007. Zur modernen Ibn Rusd-Interpretation Anke von Kügelgen, Averroes und die arabische Moderne. Ansätze zu einer Neubegründung des Rationalismus im Islam, Leiden 1994.
11.
Für Forschungen zur islamischen Wissenschaftsgeschichte vgl. die Publikationen von David King und des Instituts für die Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften in Frankfurt/M.

 
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