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Die Gruppe 47 und die DDR


6.6.2007
Die Kulturpolitik der DDR hatte es nicht leicht mit der Gruppe 47. Die Kommunisten konnten sich keinen Reim auf die merkwürdigen Umtriebe der Literaten machen.

Einleitung



Die offizielle Kulturpolitik der DDR hatte es nicht leicht mit der Gruppe 47. Es lag am ideologischen Misstrauen der Kommunisten, dass sie Mühe hatten, sich einen Reim auf die merkwürdigen Umtriebe der Literaten zu machen. Die trafen sich zweimal, kurz hintereinander, im September und im November 1947 in Privathäusern im Allgäu oder um Ulm herum, besprachen publizistische Pläne und lasen einander Texte vor. Im nächsten Jahr und im Jahr darauf kamen sie wieder zusammen, und als es längst zwei deutsche Staaten gab, bestand die Institution, die keine sein wollte, immer noch. Die Freunde fanden sich schließlich auch auf Burgen und Schlössern oder gelegentlich im Ausland wieder, in Schweden oder in Princeton, USA, dann schon unter gesteigerter öffentlicher Aufmerksamkeit. Über die Jahre veränderte sich die Zusammensetzung des ungewöhnlichen Kreises, dessen Dynamik mit Fluktuation zu tun hatte; ohne Einladung kein Zutritt. Manche wollten nicht wiederkommen, andere waren unerwünscht. Schnell war aufgezählt, was die Gruppe nicht war: Verband, Verein, Gesellschaft, Club, Versammlung von Lobbyisten, Zirkel Gleichgesinnter. Daraus folgte, dass es keine Mitgliedschaften gab, also auch keine Mitgliederlisten.






Dass sich eine intellektuelle Gruppierung bildete, die ohne ein ästhetisches oder politisches Manifest auskam, war literarhistorisch ein Unikat und musste die SED irritieren, eine "Partei neuen Typs", für die innere Disziplin, ein politbürokratischer Apparat und straffe Organisation selbstverständlich waren. Um die volle Mitgliedschaft im Schriftstellerverband zu erreichen, mussten die Anwärter eine Kandidatenzeit durchlaufen und zwei Bürgen beibringen. Trotz aller Erfahrungen mit dem anarchistischen Künstlervölkchen und den diversen sezessionistischen Richtungen in der Weimarer Republik hielten die SED-Ideologen die Gruppe 47 für dubios und partiell auch für gefährlich. Der Wachsamkeitsmythos nährte stets Verschwörungstheorien. So wurden auch bei der Gruppe 47 nicht nur die Hintergründe, sondern auch Hintermänner gesucht.