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23.4.2007 | Von:
Thomas Alkemeyer

Aufrecht und biegsam. Eine politische Geschichte des Körperkults

Im öffentlichen Raum sieht man heute Einiges, was in den 1960er Jahren noch nicht zu sehen war: Jogger, die in exhibitionistischer Sportkleidung ihre Kilometer bolzen, ...

Einleitung

Im öffentlichen Raum sieht man heute Einiges, was in den 1960er Jahren noch nicht zu sehen war: Jogger, die in exhibitionistischer Sportkleidung ihre Kilometer bolzen, Inlineskater beim virtuosen Slalom um Passanten, auf Treppenstufen krachende Skateboarder, Menschen aller Altersstufen, die sich hinter den gläsernen Fassaden der Fitnessstudios auf Laufbändern und an Kraftmaschinen mühen.

Im Mittelpunkt dieser Veränderungen steht der Körper mit seinen Praktiken und Darbietungsformen. Vor 40 Jahren hatte er noch wenig Gelegenheit zur öffentlichen Darstellung. Die 'Auftritte' des Körpers fanden hinter den Mauern der privaten Lebenswelten oder der aus dem öffentlichen Leben ausgegliederten Turnhallen und Tanzclubs statt. Heute macht das demonstrative Spiel mit dem Körper das Großstadtleben sexy - bis zum Überdruss.[1] Piercings und Tattoos, Diäten und Schönheitsoperationen, Fitness und Extremsportarten sind Techniken einer auf Wirkung berechneten Gestaltung. Eine ganze Körperindustrie hat sich auf Wartung, Reparatur und Vervollkommnung spezialisiert. Einer Marktforschungsstudie des Branchenverbandes IHRSA zufolge waren 2006 ca. 7 Millionen Menschen in Deutschland Mitglied in einem Fitnessstudio. Das sind etwa 8,5 Prozent der Bevölkerung und damit knapp eine Million mehr Menschen als in Fußballvereinen organisiert sind.[2]

Fußnoten

1.
Vgl. Gunter Gebauer u.a., Treue zum Stil, Bielefeld 2004.
2.
http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-58291.html (2.2. 2007)