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9.3.2007 | Von:
Herbert Schubert
Holger Spieckermann
Katja Veil

Sicherheit durch präventive Stadtgestaltung - Deutschland und Großbritannien

Der Beitrag betrachtet den Ansatz einer situativen Kriminalprävention durch Stadtgestaltung im Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien. In Deutschland wird der situative Ansatz stärker mit wohlfahrtsstaatlichen Interverntionen kombiniert.

Einleitung

Der Wandel von Steuerungsfunktionen des Wohlfahrtsstaates, dessen Versorgungsarrangements unter Druck geraten sind, tangiert auch die Herstellung der inneren Sicherheit. Mit der Rückführung des Staates auf seine "Kernaufgaben" im Rahmen der Übertragung des angelsächsischen "New Public Management" in den deutschen Städten und Gemeinden im Laufe der 1990er Jahre treten Funktionen des Regulierens und der Steuerung von Rahmenbedingungen in den Vordergrund. Die Rolle des öffentlichen Trägers verschiebt sich vom versorgenden Organisator und Anbieter zum ermöglichenden Koordinator. Staatliche und kommunale Agenturen behalten zwar die Gesamtverantwortung für und die Steuerungshoheit über eine angemessene Versorgung, versuchen aber die Aufgaben wieder verstärkt nach den klassischen Maximen des Subsidiaritätsprinzips zu organisieren. Soziale Leistungen müssen folglich zunehmend zivilgesellschaftlich, also von der Bürgerschaft selbst erbracht werden.

Dies gilt sowohl für den Bereich der Sicherheit als auch für jenen der Prävention.[1] War es bisher allein die Aufgabe staatlicher Behörden, durch hoheitliche soziale Kontrolle für "Sicherheit" zu sorgen, so wird diese Aufgabe vermehrt auf zivile Akteure und Sachsysteme übertragen. Die daraus hervorgehenden Sicherheitskonzepte werden in der Stadtforschung seit einiger Zeit kritisch beobachtet.[2] Die Kritik bezieht sich auf den zunehmend privaten Charakter sozialer Kontrolle, der zur Durchsetzung partikularer Vorstellungen von Sicherheit und sozialer Ordnung führen kann, weil die Modernisierung nach Kriterien betriebswirtschaftlicher Rationalität erfolgt und das traditionelle staatliche Kontrollmonopol an Bedeutung verliert. Bekannte Beispiele dafür sind private Sicherheitsdienste in Shopping Malls und Bahnhöfen oder auch abgeschlossene Wohnviertel ("gated communities").

Sicherheit vor Kriminalität und Delinquenz stellt eine grundsätzliche Qualität urbanen Zusammenlebens dar und ist einem gesamtgesellschaftlichen Ziel verpflichtet, das individuelle Rechte nicht einschränkt, sondern fördert.

Kriminalprävention wird daher zunehmend als zivilgesellschaftliches Projekt formuliert, bei dem die Bürgerschaft mehr Pflichten, aber auch Rechte an der Herstellung innerer Sicherheit erhält. Die zivilgesellschaftliche Restrukturierung von sozialer Kontrolle basiert auf mentalen Modellen und Praxisansätzen, die im Folgenden erläutert werden.

Fußnoten

1.
Vgl. David Garland, Culture of Control. Crime and Social Order in Contemporary Society, Oxford-New York 2001.
2.
Vgl. z.B. Jan Wehrheim, Die überwachte Stadt. Sicherheit, Segregation und Ausgrenzung, Opladen 2002.