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2.3.2007 | Von:
Hans-Joachim Busch

Demokratische Persönlichkeit

Ein aufgeklärtes Subjekt, das befähigt und motiviert ist, sich in seinen Bedürfnissen und Interessen stimmig zu artikulieren, verfügt über eine demokratische Persönlichkeit.

Einleitung

Der europäische Faschismus brachte die Erkenntnis mit sich, dass das bürgerliche Individuum auf dem Entwicklungsstand der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - um es mit einem abgewandelten Wort von Sigmund Freud zu sagen - nicht Herr im eigenen politischen Haus, nicht imstande zur Garantie stabiler demokratischer Verhältnisse war. Politik wird also nicht nur, so lautet die Einsicht aus anderer Perspektive, durch Recht und Gesetz, durch Ideen, Institutionen und Verfahren bestimmt, sondern sie bedarf ganz entscheidend der Stütze durch die individuelle Motivation der Bürgerinnen und Bürger, durch ein ausgeprägtes demokratisches Bewusstsein. Dieses Bewusstsein stellt sich nicht einfach ein, wenn nur gewisse demokratische Rahmenbedingungen (wie etwa freie Wahlen, Parteien, Parlamente) gegeben sind. Es sind darüber hinaus innere Voraussetzungen erforderlich, die zu bestimmen Sache der Psychologie ist.






Als solche Psychologie bot sich der Kritischen Gesellschaftstheorie der Frankfurter Schule, die diese Fragen umtrieb, die Psychoanalyse an. Die Frankfurter Schule war es ja, die Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre ganz entschieden auf eine Untersuchung des faschistischen Bewusstseins und des Verfalls demokratischer Einstellungen drang und die Mittel der Gesellschaftstheorie dafür als nicht mehr ausreichend empfand. Von der Psychoanalyse versprach sie sich genauere Hinweise darauf, wie der Bildungsprozess des Subjekts, der Aufbau seiner inneren Struktur, verläuft, wie er gelingen und wie er misslingen kann.[1] Den Vertretern der Frankfurter Schule war es, so kann man mit Fug und Recht sagen, um ein Konzept demokratischer politischer Bildung zu tun.

Fußnoten

1.
Vgl. Max Horkheimer (1932), Geschichte und Psychologie, in: Helmut Dahmer (Hrsg.), Analytische Sozialpsychologie, Bd. 1, Frankfurt/M. 1980; Erich Fromm (1936), Studien über Autorität und Familie. Sozialpsychologischer Teil, in: Erich Fromm, Gesamtausgabe, Bd. I: Analytische Sozialpsychologie, Stuttgart 1980.