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4.1.2007 | Von:
Golz, Hans-Georg

Editorial

Kann man von einer gemeinsamen deutschen Nachkriegsgeschichte sprechen? Während eine "integrierte" Historiographie etwa für die Innenpolitik beider Staaten wenig sinnvoll zu sein scheint, sind alltagsgeschichtliche Forschungsansätze viel versprechend.

Die DDR-Forschung führte in der alten Bundesrepublik ein Nischendasein. Nach Öffnung der Archive kam es in den 1990er Jahren zu einem beispiellosen Boom, der die Geschichte der Bundesrepublik geradezu als "untererforscht" erscheinen ließ. Beiden Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages über die untergegangene DDR gehörten auch Zeithistoriker an.

Nach wie vor ist eine nach Ost und West geteilte Wahrnehmung der Teilungsgeschichte zu konstatieren. Kann man von einer gemeinsamen deutschen Nachkriegsgeschichte sprechen? Woran knüpfte die deutsche Vereinigung vor gut 16 Jahren an? DDR und Bundesrepublik waren zwei deutsche Staaten in einem geteilten Europa. Während eine "integrierte" Historiographie etwa für die Innen- oder die Blockpolitik beider Staaten wenig sinnvoll zu sein scheint, sind generationen- und alltagsgeschichtliche Forschungsansätze viel versprechend - ohne damit die Gleichrangigkeit oder gar die Legitimität der Diktatur zu implizieren.

Im vergangenen Jahr widmete sich eine Expertenkommission der Neuorientierung der historisch-politischen Aufarbeitung. Um einer drohenden "Verinselung" der DDR-Forschung zu begegnen, empfahl sie die Schaffung eines Geschichtsverbundes. Die Aufarbeitung solle zudem stärker in den europäischen und den gesamtdeutschen Kontext gestellt werden. Die von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem "Deutschland Archiv" mitveranstaltete frühere "DDR-Forschertagung" fand 2006 erstmals als internationale Konferenz zur deutschen Nachkriegsgeschichte statt. Die ersten vier Texte dieses Heftes beruhen auf Beiträgen, über die auf einem Podium während der Konferenz im November in Suhl diskutiert wurde.