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10.11.2008 | Von:
Luke March

Die Kommunistische Partei in der Sowjetunion und in Russland

Der Aufsatz untersucht die Entwicklung der KPdSU zu ihrer Nachfolgerin, der KPRF, und beschreibt den Extremismus beider. Die KPRF unterscheidet sich stark von ihrer Vorgängerin.

Einleitung

Wenn man Extremismus als Gegensatz zu den Werten und Verfahren liberaler Demokratie definiert und ihm vielleicht noch einen Hang zu politischer Gewalt zuschreibt, dann war die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) lange Zeit die weltweit bedeutendste extremistische Partei. Mit einer Mitgliederzahl von zeitweise 19 Millionen stand sie zwar hinter der KP Chinas mit rund 70 Millionen Mitgliedern zurück, ihr ideologischer Einfluss umspannte jedoch den halben Erdball.






Der Kommunismus hat, wenn auch geschwächt, nicht zuletzt in Russland selbst dem Untergang der Sowjetunion in einem 1991 nicht erwarteten Maße standgehalten. Die Kommunistische Partei der Russländischen Föderation (KPRF) behauptet, die unmittelbare Nachfolgepartei der KPdSU und ihrer Traditionen zu sein, beansprucht ihr Eigentum und war in den 1990er Jahren die stärkste Partei des postkommunistischen Russlands. Obgleich die Popularität der Partei im Vergleich zu 1996 mittlerweile stark abgenommen hat, belegte ihr Führer Gennadi Sjuganow bei den Präsidentschaftswahlen im März 2008 immerhin den zweiten Rang.[1]

Ein Vergleich der sowjetischen und der russischen kommunistischen Parteien führt zu der Erkenntnis, dass sich die KPRF von ihrer Vorgängerpartei außer in Stil und Symbolik in jeder Hinsicht sehr stark unterscheidet: Sie ist nicht revolutionär, sondern konservativ, sie ist zunehmend gemäßigt, sie ist eher eine parlamentarische Partei als eine militante Zelle, sie ist ganz sicher nicht "kommunistisch" im Leninschen Verständnis, und in einigen Bereichen ist ihre linke Ausrichtung kaum noch erkennbar. Wenn man bedenkt, dass das heutige Russland häufig als Wiedergeburt der UdSSR stereotypisiert wird, ist es bemerkenswert, wie wenig sein "neosowjetisches" Wiedererstarken dem Marxismus-Leninismus als Ideologie oder gar der Stärke der KPRF als Partei verdankt. Im Übrigen ist die KPRF heute keineswegs der "extremste" politische Akteur in Russland.

Fußnoten

1.
Übersetzung aus dem Englischen: Jaiken Struck, South Petherton, England/UK.