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Eine sehr kurze Geschichte der modernen Hirnforschung


16.10.2008
Ob es sinnvoll ist, Emotionen im Gehirn zu lokalisieren, ist umstritten. Am Anspruch, menschliches Verhalten auf der Basis des Gehirns zu erklären, hat sich nichts verändert.

Einleitung



Das moderne Verständnis der Funktionen des Gehirns basiert in seinen Grundzügen auf wenigen Axiomen, von denen sich zwei als besonders dauerhaft herausgestellt haben: die Lokalisationslehre und die Neuronenlehre. Erstere geht davon aus, dass es verschiedene, voneinander abgrenzbare funktionelle Zentren im Gehirn gibt, und zwar sowohl für physische Funktionen (z.B. Regulation der Atmung oder Koordination der Motorik) als auch für psychische Qualitäten (z.B. Sprache oder Emotionen); letztere nimmt an, dass eine einzelne Nervenzelle eine strukturelle und funktionelle Einheit bildet und das Hirnleben durch Kommunikation zahlreicher Neuronen bedingt wird.






Die Anfänge der modernen Lokalisationslehre reichen ungefähr zweihundert Jahre zurück. Ihre Geschichte ist von mehreren Kontroversen geprägt, in denen die Möglichkeit erwogen wurde, komplexe Hirnfunktionen als einheitliches und ganzheitliches Zusammenwirken des Gehirns aufzufassen. Die Neuronenlehre ist im späten 19. Jahrhundertentstanden und war zunächst heftig umstritten, doch lange bevor die Individualitätder Neuronen Mitte des 20. Jahrhundertselektronenmikroskopisch nachgewiesenwerden konnte, bildete diese Lehre das morphologische Grundgerüst der Hirnforschung.