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18.9.2008 | Von:
Berth, Peter Förster · Elmar Brähler · Yve Stöbel-Richter · Hendrik

Die "Wunde Arbeitslosigkeit": Junge Ostdeutsche, Jg. 1973

Anhand von Daten der Sächsischen Längsschnittstudie werden die dramatischen, negativen Auswirkungen erlebter Arbeitslosigkeit u.a. auf Lebenssituation, Einstellungen, Zukunftszuversicht und Politikzufriedenheit dargestellt.

Einleitung

Die "Arbeitslosigkeit ist die größte Wunde der Gesellschaft. Wie viel Hoffnungen, wie viel Lebensmut werden hier zerstört! Wie viel guter Wille, wie viel Leistungsbereitschaft bleiben hier ungenutzt! Wie groß und wie weitverbreitet ist das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, ja wertlos zu sein! Keine Aussicht auf Arbeit und Beschäftigung zu haben: Das kann jedes Vertrauen in die Zukunft zerstören - in die eigene und in dieder Gesellschaft." (Bundespräsident Johannes Rau, 12.5. 2004) [1]
Die Bundesanstalt für Arbeit berichtete in den vergangenen Monaten stets über eine deutliche Abnahme der Arbeitslosenzahlen in Deutschland. Aktuell (August 2008) sind immernoch 3.195.740 Menschen arbeitslos (8,6 %). In Westdeutschland ist die Arbeitslosenquote (7,1 %, 2.108.898 Personen) jedoch deutlich niedriger als in den ostdeutschen Bundesländern (14,2 %, 1.086.842 Personen).[2] Die eindeutig negativen sozialen, psychischen und anderen Folgen von Arbeitslosigkeit sind gut untersucht.[3] Nahezu alle Studien belegen, dass Zeiten von Arbeitslosigkeit die körperliche und vor allem die seelische Gesundheit nachhaltig negativ beeinflussen. Die psychischen Folgen nehmen mit der Dauer der Arbeitslosigkeit zu, das heißt Langzeitarbeitslose sind meist stärker belastet. Männer, jüngere Personen oder Personen mit niedrigerem sozialen und beruflichen Status leiden meist mehr unter den Folgen von Arbeitslosigkeit.[4]

Trotz der Fülle vorliegender Forschungsergebnisse zum Thema Arbeitslosigkeit ist es - nicht zuletzt aufgrund der immer noch sehr vielen betroffenen Personen - nach wie vor relevant, die Folgen von Arbeitslosigkeit zu untersuchen, insbesondere im Längsschnitt. Im Folgenden soll daher an einer Stichprobe junger ostdeutscher Erwachsener über einen längeren Zeitraum veranschaulicht werden, welche Auswirkungen Arbeitslosigkeit auf verschiedene Lebensbereiche, Einstellungen usw. hat. Die vorliegenden, detaillierten statistischen Berechnungen werden dabei zugunsten der grafischen Veranschaulichung nicht berichtet.

Fußnoten

1.
Wir danken der Otto-Brenner-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung für die freundliche Unterstützung der Sächsischen Längsschnittstudie.

Johannes Rau, Vertrauen in Deutschland - eine Ermutigung. Berliner Rede von Bundespräsident Johannes Rau im Schloss Bellevue in Berlin am 12. Mai 2004, in: http://www.bundespraesident.de/dokumente/-,2.621940/Artikel/dokument.htm (31.7. 2008).
2.
Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland August 2008. Monatsbericht, http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/
statistik/000000/html/start/monat/aktuell.pdf (29.8. 2008).
3.
Vgl. Alfons Hollederer/Helmut Brand (Hrsg.), Arbeitslosigkeit, Gesundheit und Krankheit, Bern 2006; Michael Kastner/Tim Hagemann/Gesa Kliesch (Hrsg.), Arbeitslosigkeit und Gesundheit. Arbeitsmarktintegrierte Gesundheitsförderung, Lengerich 2005; Frances M. McKee-Ryan/Zhaoli Song/Connie R. Wanberg/Angelo J. Kinicki, Psychological and physical well-being during unemployment: A meta-analytic study, in: Journal of Applied Psychology, 90 (2005) 1, S. 53 - 76; Thomas Kieselbach/Anthony H. Winefield/Carolin Boyd/Sarah Anderson (eds.), Unemployment and Health. International and interdisciplinary perspectives, Bowen Hills, Australia 2006.
4.
Vgl. Karsten I. Paul/Alice Hassel/Klaus Moser, Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die psychische Gesundheit: Befunde einer quantitativen Forschungsintegration, in: Alfons Hollederer/Helmut Brand (Hrsg.), Arbeitslosigkeit, Gesundheit und Krankheit, Bern 2006.