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26.6.2008 | Von:
Michael Klein

Alkoholsucht und Familie - Kinder in suchtbelasteten Familien

Direkte und indirekte Auswirkungen elterlicher Suchtstörungen

Allgemein ist zwischen direkten und indirekten Auswirkungen elterlichen Alkoholmissbrauchs auf die Entwicklung von Kindern zu unterscheiden. Indirekte Auswirkungen sind solche, die in Interaktion mit Umwelt- und Familienvariablen ihre Pathogenität entfalten. Bei den indirekten Auswirkungen ist es nicht der Alkohol, die Droge oder die psychotrope Substanz selbst, welche die Schädigung beim Kind hervorruft, sondern es sind die Begleitumstände und Konsequenzen des Missbrauchs bzw. der Abhängigkeit. Hierzu zählen beispielsweise die Instabilität und Unberechenbarkeit des elterlichen Verhaltens, die häufiger auftretenden Formen von Kindesmisshandlung, -missbrauch und -vernachlässigung, die häufigeren Trennungen und Scheidungen, chronische Konflikte und Streitigkeiten in den Familien, ein erhöhtes Ausmaß an physischer und psychischer Gewalt usw. Im Allgemeinen ist der innerfamiliäre Stress (besonders Duldungs- und Katastrophenstress) deutlich erhöht. Bei den Kindern entwickeln sich Symptome mangelnden Selbstwertgefühls, geringerer Selbstwirksamkeitserwartung und häufig auch Selbsthass und Schuldgefühle.[13]

Zu den möglichen direkten Auswirkungen elterlichen Alkoholmissbrauchs auf Kinder zählen an erster Stelle das fetale Alkoholsyndrom (FAS) und die fetalen Alkoholeffekte, im deutschen Sprachraum auch oft Alkoholembryopathie (AE) genannt.[14] Hinzu kommen Alkoholvergiftungen, die wesentlich häufiger bei Kindern aus suchtbelasteten Familien als bei unbelasteten Kindern auftreten.

Fußnoten

13.
Vgl. M. Klein/M. Zobel, Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Kindheit und Entwicklung, in: Zeitschrift für Klinische Kinderpsychologie, (1997) 6, S. 133-140; M. Zobel, Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Entwicklungsrisiken und -chancen. Göttingen 2006.
14.
Vgl. M. Zobel, ebd.