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30.5.2008 | Von:
Beate Hoecker

50 Jahre Frauen in der Politik: späte Erfolge, aber nicht am Ziel

Zusammenfassung und Perspektiven

Die Ausführungen haben gezeigt, dass die Unterrepräsentation von Frauen in der Politik eng verzahnt ist mit ihrer gesellschaftlichen Ungleichheit, die wiederum auf der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung sowie den damit verbundenen traditionellen Rollenvorstellungen beruht. Da Frauen noch immer vorrangig für den so genannten privaten Bereich zuständig sind, haben sie im Vergleich zu den Männern nicht nur schlechtere berufliche Aufstiegs- und Verdienstchancen, sondern zugleich auch schlechtere Chancen zur Übernahme politischer wie gesellschaftlicher Machtpositionen. Die fehlende Entscheidungsmacht wiederum verhindert die Durchsetzung wirksamer Strukturveränderungen in Richtung Gleichstellung.

Diese Analyse gilt auch für die junge Frauengeneration, die zwar deutlich modernere Rollenbilder vertritt als die ältere Generation, bei dem Versuch, diese veränderten Leitbilder auch zu leben, aber mit der Hartnäckigkeit struktureller Rahmenbedingungen insbesondere auf dem Arbeitsmarkt und in der Familie konfrontiert wird.

Soll unsere Demokratie nicht "eine Demokratie am Anfang" (Helge Pross) bleiben, dann zählt eine konsequente Politik der Geschlechtergleichheit auf allen Ebenen des gesellschaftlichen und politischen Systems auch für das 21. Jahrhundert zu den wichtigsten Aufgaben. Die Parteien wären somit gut beraten, Frauen nicht nur in Wahlkampfzeiten als relevante Zielgruppe zu umwerben, sondern ihren Lebenslagen und Interessen in der politischen Praxis permanent Rechnung zu tragen. Aktuell ist davon wenig zu spüren, denn Familienpolitik hat eine eigenständige Frauenpolitik weitgehend ersetzt.

Darüber hinaus kann Gleichberechtigung nur gelingen, wenn die Politik auch Männer in den Blick nimmt und einen Wandel des männlichen Rollenverständnisses intendiert. Erste, wenn auch zaghafte Ansätze hierzu gibt es inzwischen. Und schließlich spielen auch die Medien bei der Veränderung des Geschlechterverhältnisses eine wichtige Rolle: Ihre Berichterstattung über Frauen und Männer in Politik wie Gesellschaft trägt in entscheidender Weise mit dazu bei, die öffentliche Wahrnehmung und damit die Geschlechtersozialisation zu beeinflussen.[26]

Mit schnellen Erfolgen ist allerdings kaum zu rechnen, denn eine grundlegende Veränderung geschlechtsspezifischer Machtstrukturen trifft auf erheblichen Widerstand. Die Erfahrung zeigt dies. Insofern dürfte die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin kaum Recht behalten, wenn sie sagt: "Die Kampfzeiten der Emanzipation sind ein Fall fürs Geschichtsbuch. Vielleicht ein, zwei Generationen lang werden wir noch Nachhutgefechte führen und Gender-Lehrstühle finanzieren. Dann werden sich Mann und Frau auf die gemeinsame Sache konzentrieren müssen."[27] Im Gegenteil, ohne eine kraftvolle dritte Frauenbewegung wird Politik auch weiterhin auf die "Engelsgeduld" der Frauen vertrauen und eine männliche Domäne bleiben.

Fußnoten

26.
Vgl. Christina Holtz-Bacha/Nina König-Reiling (Hrsg.), Warum nicht gleich? Wie die Medien mit Frauen in der Politik umgehen, Wiesbaden 2007.
27.
Silvana Koch-Mehrin, Gemeinsam an die Macht: Männer und Frauen in Zeiten der Globalisierung, in: Maybrit Illner (Hrsg.), Frauen an der Macht, Kreuzlingen-München 2005, S. 98.