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26.5.2008 | Von:
Lavanya Rajamani

Indiens internationale Klimapolitik

Indien wird bald ein bedeutender Mitverursacher des Klimawandels sein, von dessen Folgen es stark betroffen sein wird. Nur die Industrieländer verantwortlich zu machen, ist daher der falsche Weg.

Einleitung

Indien beschreitet einen Kurs der rasanten Entwicklung. Wirtschaftswachstum und, damit verbunden, Armutsbekämpfung, Energiesicherheit und die Herstellung eines allgemeinen Zugangs zur Energieversorgung sind zentrale und dringende Anliegen der Regierung. Und das zu Recht. Das Land steht an 128. Stelle auf dem Human Development Index, 34,3 % seiner Bevölkerung leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag, und geschätzte 44 % haben keinen Zugang zur Stromversorgung.[1] Der eingeschlagene Weg könnte jedoch enorme "CO2-Fußabdrücke" (Carbon Footprints) hinterlassen und letztlich das weitere Entwicklungspotential mindern.




Der Energieverbrauch wird sich in Zukunft signifikant verändern - und damit auch der Umfang der CO2-Emissionen, die derzeit noch 4,6 % des weltweiten CO2-Ausstoßes ausmachen und bei niedrigen 1,2 Tonnen pro Kopf pro Jahr liegen.[2] Wenn die aktuelle Wachstumsrate anhält (durchschnittlich 8 % in den vergangenen vier Jahren), wird sich Indiens Energieverbrauch bis 2020 mehr als verdoppeln.[3] Sollten außerdem die im 11. Fünfjahresplan definierten Ziele bezüglich Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetismus erreicht und die 498 Millionen Inder, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, mit Strom versorgt werden, wird das zu einem noch viel höheren Energieverbrauch führen. Indien wird bald ein bedeutender Mitverursacher des Klimawandels sein.[4]

Fußnoten

1.
Dieser Aufsatz basiert auf dem Beitrag "India's Role in the International Climate Change Order" zur Konferenz "Future of India's Foreign Policy", University of Pennsylvania, Philadelphia (18.-19. 4. 2008). Übersetzung aus dem Englischen: Doris Tempfer-Naar, Wien/Österreich.

Vgl. Human Development Report 2007, in: www.hdr.undp.org (26. 3. 2008).
2.
Der weltweite Durchschnitt liegt bei 4,5 t. Indiens Pro-Kopf-Rate ist niedrig im Vergleich zu den meisten Industrieländern: China liegt bei 3,8 t pro Kopf, die USA bei 20,6 t, Australien bei 16,2 t und Deutschland bei 9,8 t. Vgl. ebd.
3.
Vgl. Indiens Beiträge zum Dialog über die langfristige Zusammenarbeit zur weiteren Umsetzung der Klimarahmenkonvention, 2006 - 2007, im Internet dokumentiert in: www.unfccc.int (26. 3. 2008).
4.
Die Zunahme der Treibhausgas-Emissionen in Indien beträgt jährlich ungefähr 4,6 %. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 2 %. Vgl. Subhodh Sharma et al., Greenhouse Gas Emissions from India, in: Current Science, 90 (2006) 3, S. 326 - 333; International Energy Agency, World Energy Outlook 2007, S. 11 in: www.iea.org/Textbase.npsum/WEO2007SUM
.pdf (26. 3. 2008).