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28.2.2008 | Von:
Andreas Elter

Auswärtige Kulturpolitik und Propaganda in den USA

In den USA wird Auswärtige Kulturpolitik als soft power verstanden und ist zum Bestandteil der Außenpolitik geworden. Die Grenzen zwischen Propaganda und Auswärtiger Kulturpolitik verschwimmen.

Einleitung

Mit Politik kann man keine Kultur machen, aber vielleicht kann man mit Kultur Politik machen."[1] Mit diesen Worten erklärte Theodor Heuss 1920 die Kulturpolitik der Weimarer Republik zum Instrument gesellschaftlicher Veränderung. In den USA wird Auswärtige Kulturpolitik inzwischen als soft power[2] verstanden und ist zum wichtigen Bestandteil der Außenpolitik geworden. Ihr Ziel ist es - und das gilt nicht nur für die USA -, dem Ausland ein positives Image des eigenen Landes zu vermitteln.






Die Grenzlinien zu anderen Bereichen der Auswärtigen Politik sind kaum zu ziehen: So wird in Zusammenhang mit Auswärtiger Kulturpolitik - zum Teil sogar synonym[3] - von Public Diplomacy, Public Relations, Public Affairs oder in jüngster Zeit häufiger vom Nation Branding gesprochen. Historisch gesehen war Auswärtige Kulturpolitik zudem immer eng mit Propaganda verbunden. Propaganda und Public Diplomacy sind Teil der Political Communications. Darunter fallen sämtliche staatliche und semi-staatliche Versuche, die Politik oder die Meinung der Bevölkerung anderer Staaten zu beeinflussen oder mit anderen Staaten in Kontakt zu treten. Insofern sind transnationale Interaktionen[4] hier einzuschließen.

Auf die umfassende Bedeutung der politischen Kommunikation haben bereits 1952 Phillips W. Davison und Alexander L. George hingewiesen.[5] Im Allgemeinen wird die Beeinflussung - Davison und George sprechen sogar von Manipulation - als legitimes Recht eines Staates verstanden, seine Politik im Ausland zu erklären oder zu rechtfertigen. Doch wo liegen die Unterschiede zwischen legitimer Aufklärung bzw. Information über ein Land und Propaganda? "Außer der semantischen Unterscheidung ist (...) keine andere saubere Trennung möglich."[6] Schon in den 1950er Jahren listete Ronald Perusse insgesamt 18 untereinander austauschbare Begriffe für politische Kommunikation auf.[7] Die gängigste und meist zitierte Definition für Public Diplomacy und Auswärtige Kulturpolitik versteht sie als "a government's process of communicating with foreign publics in an attempt to bring about understanding for its nations ideas and ideals, its institutions and culture, as well as its national goals and current politics".[8] Dieser Ansatz schließt auf der Adressatenseite die Bevölkerung anderer Staaten ein und sieht darin den Unterschied zur "normalen" Diplomatie, die sich nur an staatliche Vertreter richtet. Ziel von Public Diplomacy ist hingegen, auf die Bevölkerung zuzugehen, um gegenseitiges Vertrauen und Interesse für die eigene Sache zu fördern.

Absender der entsprechenden Botschaften sind in den USA das Außenministerium, die United States Information Agency (USIA), das Weiße Haus und in Teilen die CIA.[9] Nun definiert sich Auswärtige Kulturpolitik in den USA aber gerade dadurch, dass sie die "Werte" des Landes nach außen transportieren will. Insofern sind auf der Sender- wie auf der Adressatenseite nichtstaatliche Akteure beteiligt. Gerade in den USA, wo Kultur ursprünglich nicht als staatliche Aufgabe verstanden wurde, spielen semistaatliche Organisationen und private Stiftungen eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus wird das Bild der USA im Ausland wesentlich durch die Populärkultur bestimmt. Der Filmindustrie in Hollywood kommt eine entscheidende Rolle zu. Es steht außer Zweifel, dass Kinofilme und die Unterhaltungs- und Musikindustrie dabei einen starken Einfluss ausüben.

Propaganda ist von Public Diplomacy zunächst theoretisch abzugrenzen. Denn erstens wird sie fast immer von staatlichen Akteuren betrieben bzw. vergeben staatliche Akteure wie das Pentagon Aufträge an Außenstehende. Zweitens wird sich der Propaganda vor allem in Kriegszeiten bedient, während Public Diplomacy vor allem in Friedenszeiten virulent ist. Und drittens nutzt die Propaganda auch geheime, nicht identifizierbare Kommunikationskanäle. Deswegen wird in der Forschung zwischen weißer, grauer und schwarzer Propaganda unterschieden: "Weiße Propaganda" hat einen eindeutig feststellbaren Sender, die Informationen sind überprüfbar und können gegebenenfalls als unwahr identifiziert werden. Bei "grauer Propaganda" sind Wahrheitsgehalt und Absender nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Von "schwarzer Propaganda" spricht man, wenn bewusst falsche Sender angegeben werden bzw. sich der Initiator tarnt und Lügen verbreitet. Auswärtige Kulturpolitik dagegen bedient sich keiner expliziten Propagandatechnik, sondern der Mittel der Öffentlichkeitsarbeit.

Fußnoten

1.
Zit. nach: Andrei S. Markovits/Simon Reich, Das deutsche Dilemma. Die Berliner Republik zwischen Macht und Machtverzicht, Berlin 1998, S. 302.
2.
"Hard Power" bezeichnet z. B. wirtschaftliche Macht und Abhängigkeit oder militärische Stärke.
3.
Vgl. Thomas Klöckner, Strukturanalyse der Organisation und Strategien der United States Information Agency und des United States Information Service in Deutschland, Phil. Diss., Berlin 1992, S. 28, Fn. 24. Vgl. auch Udo M. Metzinger, Hegemonie und Kultur, Phil. Diss., Frankfurt/M. 2004, S. 67, Fn. 244.
4.
Vgl. Robert O. Keohane/Joseph S. Nye (eds.), Transnational Relations and World Politics, Cambridge, MA 1973.
5.
Vgl. Phillips W. Davison/Alexander L. George, An Outline for the Study of International Political Communications, in: Public Opinion Quarterly, 16 (1952/53) Winter, S. 501ff.
6.
Holger Ohmstedt, Von der Propaganda zur Public Diplomacy, Phil. Diss., München 1993, S. 22.
7.
Vgl. Ronald Perusse, Psychological Warfare Reappraised, in: William E. Daugherty/Morris Janowitz, A Psychological Warfare Casebook, Baltimore 1958, S. 25 - 34.
8.
Hans N. Tuch, Communicating with the World. U.S. Public Diplomacy Overseas, New York 1990, S. 3.
9.
Zum Einfluss der CIA auf die Kulturpolitik der USA im Kalten Krieg vgl. Frances Stonor Saunders, Wer die Zeche zahlt, Berlin 2001.