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18.1.2008 | Von:
Watzal, Ludwig

Editorial

Die deutsche Kritik am Regierungshandeln der Bush-Administration war kein "Antiamerikanismus", sondern Ausdruck der Besorgnis über eine waghalsige Politik.

Als die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York City durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 in sich zusammenstürzten, konnten sich die USA des weltweiten Mitgefühls und einer Welle bisher nichtgekannter Solidarität der internationalen Staatengemeinschaft sicher sein. Bundeskanzler Gerhard Schröder versicherte der US-Regierung gar die "uneingeschränkte Solidarität" Deutschlands im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Diese sollte indes nur bis zur Rede von US-Präsident George W. Bush am 1. Juni 2002 währen, in der er ankündigte, "mit allen Mitteln" einen Regimewechsel im Irak erzwingen zu wollen.

Zusammen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac lehnte Schröder einen US-Alleingang ohne UN-Mandat ab. Erst nach einer Rede von US-Vizepräsidenten Dick Cheney am 26.August, in der er einen Krieg gegen den Irak auch an der UNO vorbei in Aussicht stellte, lehnte Schröder jede deutsche Beteiligung an einem Waffengang kategorisch ab. Daraufhin entbrannte in Deutschland aufs Neue eine Debatte über "Antiamerikanismus".

Eine solche Debatte gibt es seit 1776 immer wieder in ganz Europa, sie ist keine deutsch Eigenheit. Kritik an den USA kommt dabei sowohl von konservativer als auch links-liberaler Seite. Der europäische "Antiamerikanismus" ist primär ein kulturelles Phänomen, das oft in einem bestimmten politischen Klima gedeiht; sein Zwillingsbruder ist der "Philoamerikanismus". Die deutsche Kritik am Regierungshandeln der Bush-Administration war kein "Antiamerikanismus", sondern Ausdruck der Besorgnis über eine waghalsige Politik. Wie entgegnete der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer auf der 39.Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik im Februar 2003 auf die Aussage des amerikanischen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, alle diplomatischen Mittel im Umgang mit Saddam Hussein seien erschöpft: "Excuse me, I am not convinced."