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18.1.2008 | Von:
Josef Braml

Westliche Wertegemeinschaft? Zur Sprengkraft religiöser Werte

Werte sind nicht der Kitt, der die transatlantische Gemeinschaft zusammenhält. (Religiöse) Werteunterschiede sind vielmehr Ursache divergierender Interessens-Wahrnehmungen dies- und jenseits des Atlantiks und von Meinungsunterschieden.

Einleitung

Kulturelle Faktoren und Ideologien prägen die Risikowahrnehmung.[1] Religiös motivierte Weltbilder bestimmen die Bedrohungswahrnehmung und damit auch die Haltung zur entscheidungsrelevanten Frage, welche Mittel zur Abwehr gegen die wahrgenommene Bedrohung erforderlich sind. Während die harten Fakten geopolitischer Veränderungen seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes von Wissenschaft und Politik häufig thematisiert und als Erklärung für die Veränderungen in den transatlantischen Beziehungen herangezogen wurden, kamen weiche Faktoren, namentlich kulturelle Entfremdungen, bislang kaum zur Sprache.






In feierlichen Ansprachen wird häufig die "Transatlantische Wertegemeinschaft" bemüht: Nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes gebe es zwar mehr unterschiedliche Interessen, doch könne man sich auf "gemeinsame Werte" berufen, die das Fundament der Verständigung bilden. Der folgende Beitrag dagegen soll exemplarisch verdeutlichen, dass Werte nicht der Kitt transatlantischen Zusammenhalts sind. Vielmehr sind (religiöse) Werteunterschiede die Ursache divergierender Interessens-Wahrnehmungen dies- und jenseits des Atlantiks und für Meinungsunterschiede, insbesondere bei der Terrorismusbekämpfung und der Konfliktlösung im Nahen und Mittleren Osten.

Fußnoten

1.
Vgl. Robert Dahl, Democracy and Its Critics, New Haven-London 1989, S. 75; Stanley Rothman/Robert Lichter, Elite Ideology and Risk Perception in Nuclear Energy Policy, in: American Political Science Review, 81 (1987) 2, S. 383 - 404; Mary Douglas/Aaron Wildavsky, Risk and Culture, Berkeley 1982.