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11.12.2009 | Von:
Margit Bussmann

Globalisierungskrise: Geburt einer neuen Weltwirtschaftsordnung?

Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirft die Frage nach einer Veränderung der Weltwirtschaftsordnung auf. Das internationale Wirtschaftssystem wird seit geraumer Zeit multilateral verwaltet.

Einleitung

Das Krisenjahr 2008/09 brachte das internationale Finanz- und Wirtschaftssystem an den Rand des Kollapses. Was als Finanzkrise begann, ging schnell in eine schwerwiegende Wirtschafts- und Globalisierungskrise über, mit tiefen Einschnitten in der Produktion und einem gravierenden Rückgang an internationalem Handel und an ausländischen Investitionen. Zusätzlich drohte die Gefahr, dass Regierungen bei der Gestaltung der Konjunkturmaßnahmen protektionistische Schritte ergreifen könnten.






Mit der Diskussion um die Ursachen der Finanzkrise geht auch eine Debatte um deren Folgen einher, vor allem auch um die Frage, wie die Weltwirtschaftsordnung umstrukturiert werden müsste, damit eine Wiederholung der Krise vermieden werden kann. Die Intensität, mit der die Diskussion geführt wird, und der viel beschworene Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise 1929 lassen den Eindruck entstehen, dass es sich bei der aktuellen Krise um ein "once-in-a-lifetime"[1] Ereignis handelt und einschneidende Veränderungen und eine neue Weltordnung unmittelbar bevorstehen. Über die künftige Organisation der Wirtschaftsbeziehungen können wir nur spekulieren. Wichtig ist ein Blick in die Vergangenheit, und zwar über den historischen Vergleich mit der Krise 1929 hinaus. Nach einer Beschäftigung mit den Erkenntnissen aus vergangenen Wirtschaftskrisen wird dieser Beitrag die Entwicklung der Weltwirtschaftsordnung nachzeichnen, mit besonderem Augenmerk auf die Rolle einer wirtschaftlichen Führungsmacht und die Einbindung von Entwicklungsländern in diese Ordnung.

Fußnoten

1.
Layna Mosley/David Andrew Singer, The Global Financial Crisis: Lessons and Opportunities for International Political Economy, in: International Interactions, 35 (2009).

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