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11.12.2009 | Von:
Stephan Lessenich

Krise des Sozialen?

Der Umbau des Sozialstaats lässt sich als gesellschaftliche Transformation deuten: Die Herstellung und Sicherung des Sozialen wird von der öffentlichen Hand in die private Selbsttätigkeit übertragen.

Einleitung

Die Frage nach dem Sozialen und seiner Konstitution stellt sich in der Moderne auf gänzlich neuartige Weise. Erst in der Moderne, mit dem Aufstieg und der Durchsetzung von Ideen der Selbstbestimmung des Individuums und der Gestaltbarkeit der Gesellschaft, müssen das Soziale und seine Struktur überhaupt sozial bestimmt werden.




Im vormodernen, traditionalen Weltbild waren es wahlweise der Gesellschaft äußerliche oder aber in ihr absolut und als zentral (voraus)gesetzte Positionen göttlicher bzw. weltlicher Herrschaft, von denen aus das Soziale seine Gestalt gewann und Gestaltung erfuhr. Erst mit der Überwindung dieses Weltbildes kann die Frage, wie Gesellschaft geordnet sein soll, wie gesellschaftliche Ordnung zuallererst zustande kommt und wie sie auf Dauer gewahrt werden kann, überhaupt als fragwürdig erscheinen - als in der Gesellschaft und aus ihr selbst heraus immer wieder neu zu klärendes Rätsel und zu lösendes Problem. Erst jetzt kann - und muss - die Frage, wie sich die Menschen als soziale Wesen untereinander in Beziehung setzen und in welchen Verhältnissen sie miteinander leben wollen, ernsthaft gesellschaftlich verhandelt werden.[1]

Fußnoten

1.
Vgl. Georg Vobruba, Die Gesellschaft der Leute. Kritik und Gestaltung der sozialen Verhältnisse, Wiesbaden 2009; Günter Dux, Historisch-genetische Theorie der Kultur. Instabile Welten - Zur prozessualen Logik im kulturellen Wandel, Weilerswist 2000; Adalbert Evers/Helga Nowotny, Über den Umgang mit Unsicherheit. Die Entdeckung der Gestaltbarkeit von Gesellschaft, Frankfurt/M. 1987.

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