APUZ Dossier Bild

13.11.2009 | Von:
Hans-Joachim Reeb

Die "neue" Bundeswehr

Die Bundeswehr hat sich aufgrund der Auslandseinsätze verändert. Dieser Wandel muss in den verfassungsrechtlichen Grundlagen, im Verhältnis zur Gesellschaft und in der Truppenausstattung nachvollzogen werden.

Einleitung

Die Bundeswehr hat sich durch die Auslandseinsätze stark verändert. Es kann jedoch nur noch ein kleiner Teil der derzeit aktiven Soldatinnen und Soldaten aus eigenem Erleben die markanten Unterschiede zur "alten" Bundeswehr erkennen. Weniger als 20 Prozent von ihnen traten ihren Dienst vor 1990 an. Für die Mehrheit der Militärangehörigen ist die "neue" Bundeswehr zur Selbstverständlichkeit geworden.






Ausschlaggebend für die Veränderungen ist der sicherheitspolitische Wandel der vergangenen beiden Jahrzehnte. Die Militärgeschichte registriert seit Mitte der 1990er Jahre eine Transformation in den westlichen Streitkräften, die eine Antwort auf Herausforderungen durch die "neuen Kriege" (H. Münkler) geben will.[1] Es lässt sich aber kein Schlüsseldokument benennen, durch das dieser paradigmatische Wandel eingeleitet worden wäre. Anders als 1950, als die richtungweisende "Himmeroder Denkschrift" die Erwartung aussprach, dass etwas "Neues zu schaffen" sei,[2] hat sich seit dem 3. Oktober 1990 ein eher schleichender Prozess in der deutschen Militärpolitik vollzogen. Die meisten der seitdem durchgeführten Auslandseinsätze entstanden aus nicht vorhersehbaren Krisenverläufen und mussten kurzfristig entschieden und geplant werden. Mittlerweile weisen wissenschaftliche Analysen auf die verschiedenen Facetten der Auslandseinsätze hin.[3]

Staatliche Institutionen wie die Bundeswehr lassen sich nach ihrem Auftrag und den Modalitäten zur Auftragserfüllung beschreiben. Dazu dient hier als Strukturierungsmuster die für die Konzeption Innere Führung vorgeschlagene Unterscheidung in die Aspekte der Legitimation (des militärischen Handelns) und der Integration (in Staat und Gesellschaft) einerseits sowie der Organisation und der Motivation (der Soldaten) andererseits.[4] Entlang dieser vier Funktionsbereiche sollen die Ausprägungen einer "Armee im Einsatz" anhand der bekannten Tatsachen und Merkmale rekonstruiert und analysiert werden.

Fußnoten

1.
Vgl. Rolf-Dieter Müller, Militärgeschichte, Köln-Weimar-Wien 2009, S. 355.
2.
Vgl. Hans-Jürgen Rautenberg/Norbert Wiggershaus, Die "Himmeroder Denkschrift" vom Oktober 1950. Politische und militärische Überlegungen für einen Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur westeuropäischen Verteidigung, Karlsruhe 1977.
3.
Vgl. zuletzt Sabine Jaberg u.a. (Hrsg.), Auslandseinsätze der Bundeswehr. Sozialwissenschaftliche Analysen, Diagnosen und Perspektiven, Berlin 2009.
4.
Die Konzeption Innere Führung nimmt die Außenbeziehungen zur Politik und Gesellschaft (Streitkräfte in der Demokratie) und die militärischen Binnenbeziehungen (Demokratie in den Streitkräften) in den Blick, vgl. Hans-Joachim Reeb/Peter Többicke, Lexikon Innere Führung, Regensburg 20033.

NATO
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 15-16/2009)

NATO

Die 1949 gegründete NATO setzte der sowjetischen Militärmacht ein Bündnis von freiheitlichen Demokratien entgegen. Nach der Auflösung der Sowjetunion sucht die NATO eine neue, globale Aufgabenverteilung.

Mehr lesen