Einsatzbedingte psychische Störungen
Die internationalen Einsätze im Rahmen von UN-, EU- und NATO-Missionen stellen hohe Anforderungen an die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Häufig kommt es zu Posttraumatischen Belastungsstörungen.Einleitung
Menschen verlassen das Land und kehren zurück mit Erfahrungen, die auf extreme Weise anders sind als die ihrer zurückgebliebenen Mitmenschen. Jonathan Shay[1]
Die Bundeswehr nimmt seit Anfang der 1990er Jahre im Rahmen ihres erweiterten Aufgabenspektrums an internationalen friedenssichernden, militärischen Einsätzen und UN-Beobachtermissionen teil.
Bedingt durch die Aufgaben, die im Transformationsprozess der Streitkräfte aus den neuen Einsatzgrundsätzen für die Bundeswehr folgen, wurden auch Veränderungen in der sanitätsdienstlichen Organisation und der medizinischen Versorgung erforderlich. In der modernen Wehrmedizin des 21. Jahrhunderts sind es drei große Themenbereiche, die im Sanitätsdienst der Bundeswehr die Einsatzmedizin dominieren:
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1. Notfallmedizin und Einsatzchirurgie mit der Optimierung schneller, lebensrettender Maßnahmen in der golden hour bis hin zu den modernen Entwicklungen der damage-control-surgery und der medical evacuation mit einer optimierten Rettungskette vom Einsatzort bis ins Heimatland.
2. Hygiene und Infektiologie mit Erforschung weltweiter Gesundheitsrisiken durch medical intelligence und der Anwendung aktuellster tropenmedizinischer Diagnose- und Therapiestandards.
3. Psychotraumatologie[2] mit präventiven, diagnostischen und therapeutischen Strategien zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der seelischen Gesundheit nach militärischen Einsätzen.
Fußnoten
- Jonathan Shay ist amerikanischer Psychotherapeut, der seit vielen Jahren in der Betreuung von Kriegsveteranen tätig ist. In Deutschland ist er durch sein Buch Achill in Vietnam: Kampftrauma und Persönlichkeitsverlust (Hamburg 1998, Orig. 1995) bekannt geworden, in dem er Parallelen zwischen dem Vietnamkrieg (1960/65 - 30.4. 1975) und dem Trojanischen Krieg (12. oder 13. Jahrhundert v. Chr.) aufzeigt, die belegen, dass Kriege in jedem Zeitalter permanente seelische Zerstörungen bei Individuen und Gesellschaften verursachen.
- Psychotraumatologie ist ein eigenständiger Zweig der Psychiatrie und Psychologie, der sich mit der Erforschung und Behandlung seelischer Verwundungen (Traumata) befasst.
Schriftenreihe (Bd. 1037)Einsatz ohne Ziel?
Wie kann der Politikfähigkeit des Militärischen Genüge getan werden? Am Beispiel des Afghanistan-Einsatzes geht der Autor dieser Frage auf unterschiedlichen Ebenen nach – der politischen Klasse, der Militärelite und der Bürgergesellschaft. Weiter...



