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16.10.2009 | Von:
Oliver Schmidtke

Einwanderungsland Kanada - ein Vorbild für Deutschland?

Systematische Diskriminierung?

Der letzte Punkt wirft die Frage nach der systematischen Benachteiligung von Immigranten im Arbeitsmarkt auf. Die wenigen Befunde zeichnen ein ambivalentes Bild: Auf der einen Seite sei der offene Rassismus im kanadischen Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker zurückgedrängt worden; es könne unterstellt werden, dass das Ethos des Multikulturalismus und das staatlich strikt geschützte Antidiskriminierungsgebot dieser Form der Diskriminierung den gesellschaftlichen Boden entzogen haben. Auf der anderen Seite verweisen andere Beobachter darauf, dass es eine klare "ethnische Voreingenommenheit" kanadischer Arbeitgeber gebe, die beispielsweise Bewerbern aus Südasien zum Nachteil gereiche.[10]

Im Frühsommer 2009 wurde in den kanadischen Abendnachrichten prominent von einer Studie berichtet, bei der "blind" tausende Bewerbungen auf Stellenanzeigen in Toronto verschickt worden waren. Die Forscher hatten dabei jeweils zwei identische Lebensläufe benutzt, die sich lediglich durch den Namen des Bewerbers unterschieden. Das Ergebnis war für die kanadische Öffentlichkeit ernüchternd: Bewerber mit englischen Namen hatten eine dreimal größere Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, als solche mit chinesischen, indischen oder pakistanischen Namen.[11]

Fußnoten

10.
Vgl. Neil Bissoondath, Selling Illusions: The Cult of Multiculturalism in Canada, Toronto 1994; Harald Bauder, Attitudes Towards Work: Ethnic Minorities and Immigrant Groups in Vancouver, in: Journal of International Migration and Integration, 6 (2005) 1, S. 125 - 151.
11.
Vgl. Philip Oreopoulos, Why Do Skilled Immigrants Struggle in the Labor Market? A Field Experiment with Six Thousand Résumés, Metropolis British Columbia Working Paper 09 - 03, May 2009, in: http://mbc.metropolis.net/research/working/index. html (27. 8. 2009).