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7.8.2009 | Von:
Andreas Eckert

Entwicklung in Afrika - was geht uns das an? Essay

Die Frage, warum wir uns für Afrika interessieren sollen, ist häufig verknüpft mit der Frage nach dem Sinn von Entwicklungszusammenarbeit. Was jedoch fehlt, sind differenzierte Erklärungen.

Einleitung

Warum soll Deutschland sich für Afrika interessieren?" Diese Frage stellte "Der Tagesspiegel" vor einiger Zeit jeweils einem Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien. Nahezu alle Befragten verwiesen da- rauf, dass die vielfältigen Probleme Afrikas auf Europa zurückwirkten und dass die Bundesrepublik dezidierte Interessen südlich der Sahara habe. "Wir bemühen uns, Staaten durch Unterstützungen zu stabilisieren, weil wir ein Interesse daran haben, dass die Menschen in ihren Ländern eine eigenverantwortliche Lebensperspektive haben. Ansonsten wird die Migration nach Europa explosionsartig fortschreiten", meinte etwa Hartwig Fischer (CDU/CSU), Vorsitzender der Parlamentariergruppe West- und Zentralafrika. "Afrikanische Staaten könnten wichtige Wirtschaftspartner sein", ergänzte Werner Hoyer, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag. "Besonders im Hinblick auf Rohstoffreserven wäre Deutschland gut beraten, Afrika als Wirtschaftspartner ernst zu nehmen - bevor es zum Ausverkauf an China, die USA und andere kommt."






Ein wenig andere Akzente setzte, das überrascht nicht, Thilo Hoppe von den Grünen, Vorsitzender des Entwicklungsausschusses des Bundestages: "Natürlich ist Deutschland daran interessiert, möglichst günstig an Rohstoffe aus Afrika zu kommen, und gewisse Unternehmen erhoffen sich einen leichteren Zugang zu den Wachstumsmärkten Afrikas. Es gibt aber auch bei uns Regierungsvertreter und viele NGOs, die fest davon überzeugt sind, dass es auch im Eigeninteresse Deutschlands liegt, die afrikanischen Staaten darin zu unterstützen, die Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen und einen Beitrag dazu zu leisten, die Erderwärmung zu begrenzen." Sehr allgemein blieb die Sozialdemokratin Herta Däubler-Gmelin, Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte: "Europa und Deutschland brauchen einen Nachbarn Afrika, der seine Probleme löst und als Partner zur Verfügung steht." Monika Knoche, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, ging gar nicht auf die Frage ein, sondern übte sich in Imperialismuskritik: "Deutschland (...) ist als europäischer Player im Verbund der ehemaligen Kolonialmächte zu identifizieren. Seine Afrikapolitik ist nicht bestimmt durch die Situation vor Ort, sondern zielt in erster Linie darauf, die internationalen Einflusssphären der EU auszubauen - in Konkurrenz zu den USA und zu China."[1]

Fußnoten

1.
Alle Zitate in: Der Tagesspiegel vom 10. 2. 2008, S. 6.

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