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7.8.2009 | Von:
Stefan Gänzle

Africa Command: "Pentagonisierung" oder integrierter Ansatz in der US-Afrikapolitik?

Die Schaffung des neuen militärischen Regionalkommandos AFRICOM zeigt die strategische Bedeutungszunahme Afrikas in der US-Außenpolitik. Ziel ist, Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik stärker miteinander zu verzahnen.

Einleitung

Am 1. Oktober 2008 hat ein neues militärisches Regionalkommando der USA, das sogenannte Africa Command (AFRICOM), seine Arbeit aufgenommen. Eines seiner Hauptziele besteht darin, zivile und militärische Aspekte in der US-Afrikapolitik stärker miteinander zu verbinden und umfassend tätig zu sein. Dabei soll es sich vorrangig mit Fragen der Friedenserhaltung auf dem afrikanischen Kontinent beschäftigen. Der damalige US-Präsident George W. Bush kündigte an, dass AFRICOM "uns in unseren Bemühungen unterstützen wird, den Völkern Afrika Frieden und Sicherheit zu bringen und unseren gemeinsamen Zielen wie Entwicklung, Gesundheit, Bildung, Demokratie und wirtschaftliches Wachstum in Afrika näher zu kommen."[1]




Damit zielt das Kommando darauf ab, eine engere Verknüpfung zwischen Entwicklungs-, Außen- und Sicherheitspolitik der USA gegenüber Afrika herzustellen. Während es gerade in dieser Hinsicht von einigen Beobachtern als ein neuartiges Experiment nach dem Ende des Kalten Krieges bezeichnet worden ist, ist die Schaffung von AFRICOM bei vielen anderen und insbesondere bei den Betroffenen selbst, den afrikanischen Staaten, auf heftige Kritik und Ablehnung gestoßen, die in dem Vorwurf einer schleichenden Militarisierung der US-Afrikapolitik gipfelte.[2] Bereits in der Entstehungsphase sah sich AFRICOM so einer Reihe von Schwierigkeiten gegenüber, die im Rückblick deutlich werden lassen, vor welchen besonderen Herausforderungen die Zusammenarbeit von Akteuren an der Schnittstelle von Entwicklung und Sicherheit generell steht. Somit ist AFRICOM auch ein Lehrstück für die zivil-militärische Zusammenarbeit über den US-amerikanischen bzw. afrikanischen Kontext hinaus. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie sich ein militärisches Kommando aufbauen lässt, das zivile Organisationen integriert, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, die zivilen Komponenten instrumentalisieren zu wollen. Welche Implikationen ergeben sich aus dem Aufgabenspektrum von AFRICOM für die US-amerikanische Außen- und Entwicklungspolitik gegenüber Afrika? Welche Interessen verfolgen die USA überhaupt in Afrika? Und welche Bedeutung hat diese Politik gerade für die Europäer als zentrale Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit im Übergang von der Regierung Bush zu der unter Barack Obama?

Fußnoten

1.
So George W. Bush bei der Ankündigung zur Einrichtung des Africa Commands am 6. Februar 2007.
2.
Vgl. Sean McFate, U.S. Africa Command: A new strategic paradigm?, in: Military Review, (2008) January/February, S. 10. Zur Kritik an AFRICOM aus afrikanischen Staaten vgl. Berouk Mesfin, The establishment and implications of the United States Africa Command. An African perspective, ISS Paper, 183 (April 2009); Diana B. Putman, Addressing African Questions about legitimacy of the U.S. Africa Command (AFRICOM), in: Amy Richmond Krakowka/Laurel J. Hummel (eds.), Understanding Africa: A geographic approach, West Point, NY 2009, S. 123 - 155.

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