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Das globale Image der Europäischen Union


26.5.2009
Die EU sieht sich nicht nur als globale, sondern auch als "bessere" Macht. Dieses Selbstbild entspricht nicht der Wahrnehmung außerhalb Europas. Widersprüchlichkeiten und eine gewisse Doppelmoral trüben ihr internationales Image.

Einleitung



In institutionellen Foren und akademischen Kreisen gleichermaßen spricht man von der Europäischen Union (EU) zunehmend auf eine Art und Weise, die nahe legt, dass sie endgültig zu einer globalen Macht geworden ist. Dies belegen Bücher, Konferenzen und journalistische Dossiers über die EU-Außenpolitik, die seit dem Jahr 2000 fast alltäglich geworden sind.










Auch die politische Rhetorik in Europa hat sich dementsprechend entwickelt: In jüngeren offiziellen Dokumenten und Stellungnahmen wird häufig von der globalen Verantwortung der EU gesprochen. Gemäß dieser Selbstdarstellung ist die EU nicht nur eine globale, sondern auch eine zutiefst "andere" Macht, die - aufgrund ihrer kulturellen Wurzeln, ihrer Geschichte und ihrer institutionellen Rahmenbedingungen - positive Werte fördert und gemeinsamen Normen gegenüber nationalen Interessen den Vorrang gibt. Bei dem Versuch, diese Sonderstellung zu beschreiben, haben Experten und Kommentatoren zu Bezeichnungen wie "zivile" und "sanfte Macht", "normativer Raum" und "Skandinavien der Welt" gegriffen. Die EU wird, kurz gesagt, als "besserer" globaler Akteur beschrieben.

Diese These hat wohl auch das Handeln der EU weltweit unterstützt und gleichzeitig den Prozess der Identitätsbildung in Europa beeinflusst. Fraglos handelt es sich hierbei um eine äußerst eurozentrische Sichtweise: Sie wurde von europäischen Wissenschaftlern entwickelt, von europäischen Politikern bekräftigt und auf vorgeblich europäischen Werten wie Frieden, Solidarität und nachhaltige Entwicklung gegründet. Und dennoch: die globalen Ambitionen der EU entfalten sich nicht in einem Vakuum - es gibt viele andere politische Akteure. Was denkt also der Rest der Welt von der EU? Wird sie auch dort als ein "anderer" (sprich "besserer") Akteur gesehen?

In der internationalen Politik spielt die äußere Wahrnehmung eine wichtige Rolle. Sie hat Einfluss auf die Glaubwürdigkeit eines internationalen Akteurs und damit auf seinen Erfolg. Das gilt insbesondere für die EU als ein angehender globaler Akteur. Dessen ungeachtet hat die EU ihrer Außenwahrnehmung bisher wenig Beachtung geschenkt. Folglich wurde sie als kurzsichtiger "Global Player" kritisiert, "that focuses on telling the world what it should think about it, but quite deaf to what the world actually thinks".[1]

Dieser Artikel baut auf einer von uns von 2006 bis 2008 koordinierten internationalen Forschungsarbeit auf, in der die äußere Wahrnehmung der EU mittels einer Umfrage unter politischen Eliten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und den Medien in ausgewählten Ländern aus verschiedenen Regionen der Welt analysiert wurde (Australien, Brasilien, Kanada, China, Ägypten, Japan, Indien, Iran, Israel, Libanon, Mexiko, die Palästinensergebiete, Russland, Südafrika, die Vereinigten Staaten und Venezuela).[2]

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Fußnoten

1.
Übersetzung aus dem Englischen: Doris Tempfer-Naar, Wien/Österreich.

Dov Lynch, Communicating Europe to the World: What Public Diplomacy for the EU?, European Policy Centre, EPC Working Paper 21, Brüssel 2005, S. 31.
2.
Für jedes Land wurde auf mehrere Quellen zurückgegriffen: Tageszeitungen (unterteilt in links-/rechtsorientiert oder in regierungsnah/oppositionell), bestehende Meinungsumfragen, oft regionale Erhebungen, aber auch lokale Ad-hoc-Umfragen, Regierungswebsites und -dokumente, zivilgesellschaftliche Pressemitteilungen und Publikationen und gelegentliche Interviews. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit werden veröffentlicht in: Sonia Lucarelli/Lorenzo Fioramonti, External Perceptions of the European Union as a Global Actor, London 2009.