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20.4.2009 | Von:
Helmut Vogt

Der Parlamentarische Rat in Bonn

Konstituierung

Am 21. August 1948 teilte die Landesregierung Nordrhein-Westfalens den 1. September als Datum der Arbeitsaufnahme des Parlamentarischen Rates in Bonn mit. Als Ort für die feierliche Auftaktveranstaltung erschien der Lichthof des zoologischen Museums Koenig geeignet zu sein. 500 gepolsterte Stühle wurden schnell gemietet. Auch die vor dem Gebäude zu hissenden Länderflaggen waren vor Ort nicht vorhanden. Einige gelangten auf dem Postweg nach Bonn, weitere wurden Lokomotivführern mitgegeben, der Rest in der örtlichen Fahnenfabrik hergestellt.[3] Mit Rücksicht auf den ungewohnt starken Autoverkehr fiel am 1. September zwischen 11 Uhr und 15.30 Uhr der Straßenbahnverkehr zwischen Markt und Gronau aus.

Prominent vorne in der Mitte des Saals platziert saßen die künftigen Verfasser des Grundgesetzes, umrahmt von zahlreichen Ehrengästen, unter ihnen alle Länderchefs, die Spitzen der Zweizonenverwaltung (Bizone) und alliierte Vertreter (nicht aber die drei Militärgouverneure), als NRW-Ministerpräsident Karl Arnold - Repräsentant des Gastgeberlandes - und sein hessischer Amtskollege Christian Stock als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ihre Ansprachen hielten. Um 15 Uhr begann in der nur wenige hundert Meter entfernten Pädagogischen Akademie die feierliche Eröffnungssitzung des Parlamentarischen Rates, auf der Konrad Adenauer zum Präsidenten gewählt wurde. Für den Abendempfang hatte man sich die Bad Godesberger Redoute ausgeliehen. Es bedurfte der Unterstützung des britischen Stadtkommandanten Oberst Edward Brown und des Hinweises auf die Großzügigkeit, mit der die Franzosen den Ministerpräsidenten vom 8. bis 10. Juli "ihr" Hotel Rittersturz abgetreten hatten, um die belgische Besatzung zur Überlassung des unzerstörten Palais zu überreden.[4]

Eine kritische Presse berichtete positiv. Selbst der "Spiegel" verzichtete auf Häme: "Der Tagungssaal in der Pädagogischen Akademie gibt ein Äußerstes an Licht, Klarheit und Zweckmäßigkeit her. Die rechte Seitenwand ist ein einziges großes Fenster mit Blick zum Rhein." Und die "vornehme und freizügige Atmosphäre des Hauses" schien "auf die Abgeordneten überzugehen": Die verfassunggebende Versammlung machte den "zuverlässigsten Eindruck seit Kriegsende". Das Urteil, alles sei "mustergültig und unauffällig organisiert",[5] lässt unerwähnt, welch erhebliche Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Veranstaltung, ihrer Teilnehmer und ihrer Besucher getroffen worden waren. Ausgewählte Polizeibeamte, "die in jeder Weise, in Bezug auf äußere Haltung und Figur, auf geistige Elastizität, Pflichtbewusstsein und Höflichkeit" den besonderen Anforderungen gewachsen sein mussten, übernahmen den Personen- und Objektschutz. Zu beiden Seiten des Eingangs zum Tagungsgebäude wurden Ehrenposten aufgestellt. Hausposten forderten in der Pädagogischen Akademie die Eintretenden höflich dazu auf, ihre Ausweise bereitzuhalten. Für nächtliche Streifengänge im Haus oder in der Umgebung des Gebäudes wurden Dienstpistolen ausgegeben.[6]

Fußnoten

3.
Vgl. Klaus Dreher, Ein Kampf um Bonn, München 1979, S. 46.
4.
StAB, SN 172/23, N 80/26; vgl. Michel F. Feldkamp, Der Parlamentarische Rat 1948 - 1949. Die Entstehung des Grundgesetzes, Göttingen 1998, S. 53.
5.
Zur Geschäftsordnung, in: Der Spiegel vom 4.9. 1948, S. 3.
6.
Vgl. Sonderbefehl für den polizeilichen Einsatz anlässlich der Tagung des Parlamentarischen Rates in Bonn (hektographiert) vom 26.8. 1948, StAB N 80/26.