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20.4.2009 | Von:
Helmut Vogt

Der Parlamentarische Rat in Bonn

"Projekt Bonn"

Am 11. Oktober 1948, also vierzig Tage nach Arbeitsaufnahme des Parlamentarischen Rates am Rhein, wurde im Landeskabinett in Düsseldorf zum ersten Mal über eine mögliche Weiterverwendung Bonns als provisorische Bundeshauptstadt gesprochen. Da zunächst die Abgeordneten des Parlamentarischen Rates über den Ort befinden würden, an dem die Bundesorgane erstmalig zusammentreten sollten, bemühte sich Bonn um ihre Gunst.

So hat man, wie das Beispiel der bayerischen Ansprüche zeigt, manche Kröte geschluckt, um die Abgeordneten bei Laune zu halten. Denn bereits kleine Pannen am Tagungsort wurden sehr ernst genommen. Nur in einem solchen Klima ist nachvollziehbar, dass der örtliche Verwaltungschef einen Bonner Bürger vermittels seines Arbeitgebers nötigen konnte, gegen die eigene Überzeugung den Bayern einen Entschuldigungsbesuch abzustatten. Doch dem Oberstadtdirektor saß die Landeskanzlei im Nacken. Sie verlangte kategorisch eine Bereinigung, da "derartige Vorkommnisse, so lächerlich sie im einzelnen sein mögen, dazu geeignet sein können, eine Missstimmung gerade in den Kreisen der CSU hervorzurufen, die wir uns im Augenblick im Hinblick auf das Projekt Bonn nicht erlauben können".

Nicht alle Politiker waren so empfindlich. Nach heutigen Maßstäben kleine Gesten riefen viel Anerkennung hervor, so das Ringbuch, das zur Jahreswende 1948/49 jede und jeder Abgeordnete von der Stadt Bonn, zusammen mit einer Freifahrkarte für die städtischen Straßenbahnen, überreicht bekam. Dem Dank hierfür fügte Georg Diederichs seine Bewunderung hinzu, wie Bonn "unbeschadet aller heutigen Schwierigkeiten die Fragen der Unterbringung gelöst" habe. "Viele Aufmerksamkeiten und Freundlichkeiten", welche die Abgeordneten "fortlaufend durch die Stadt Bonn" erfuhren, erwähnte sein Kollege Adolf Blomeyer. Schließlich "war es nicht abzusehen, dass die Arbeit des Rates infolge der politischen Notlage (...) eine so lange Zeit in Anspruch nehmen würde", schrieb Paul de Chapeaurouge. Auf die nicht vorhergesehene zeitliche Ausdehnung der Beratungen spielte auch Gerhard Katz an. Seinem Dank für die Freifahrkarte fügte er hinzu: "Wenn auch zu hoffen ist, dass wir sie nicht bis zum Jahresende 1949 benötigen werden."