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5.3.2009 | Von:
Ayla Gürel

Eigentums- und Bevölkerungsfragen im geteilten Zypern

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Wie die "ungelöste Teilung Zyperns" - nach den Worten der Vereinten Nationen (UN) - geregelt werden soll, steht im Zentrum der interkommunalen Verhandlungen, die unter UN-Ägide mit Unterbrechungen seit fast vier Jahrzehnten laufen. Etwa seit 1977 ist das beiderseits akzeptierte Verhandlungsziel die Wiedervereinigung auf einer bizonalen Basis. Doch konnte man sich in all den Jahren nicht darauf einigen, was "Wiedervereinigung" und "Bizonalität" eigentlich bedeuten sollen. Es handelt sich dabei offenbar um eine Kompromissformel, welche die beiden widersprüchlichen Sichtweisen auf die gegenwärtige Teilung in Einklang bringen soll. Aus griechisch-zypriotischer Sicht ist sie eine "Bedrohung für das Überleben des zypriotischen Griechentums in seinem angestammten Land und für die Wiederherstellung der Einheit seines historischen Raums", während die TZ die Teilung als eine "gleichwohl noch anzupassende Basis für eine bizonale Lösung sehen, die die Sicherheit und Freiheit der TZ gegenüber der drohenden griechischen Dominanz garantiert". Das vorrangige Anliegen der GZ ist also die Wiedervereinigung, während für die TZ die Bizonalität größere Bedeutung hat.

Aus Sicht der TZ war die türkische Militäroperation eine legitime Intervention gegen den Pro-Enosis-Putsch vom 15. Juli 1974. Sie verhinderte die im Falle eines erfolgreichen Putsches befürchtete Vernichtung der türkisch-zypriotischen Volksgruppe. Aus dieser Perspektive war die nachfolgende Teilung notwendig und gerechtfertigt, um die Unterdrückung der TZ durch die GZ seit dem Zusammenbruch der bikommunalen Regierung im Jahr 1963 zu beenden. Alle TZ konnten in eine Sicherheitszone im Norden ziehen und dort unabhängig und frei von griechischer Vorherrschaft leben. Aus dieser Sicht, die das traumatische Erleben der GZ außer Acht lässt, brachte die türkische Intervention 1974 der Insel "Frieden".

In der Wahrnehmung der GZ hat das Zypernproblem hingegen erst im Juli 1974 begonnen. Sie neigen dazu, den zuvor vorhandenen Volksgruppenkonflikt und die schwierigen Lebensumstände der TZ, als sie der politischen Vertretung im eigenen Land beraubt worden waren, zu übersehen - ebenso wie den auf Enosis zielenden Putsch, der die türkische Militäroperation auslöste. Für sie ist die derzeitige griechisch-zypriotische Verwaltung die rechtmäßige Regierung der Republik Zypern. Das einzige Problem in Zypern bestehe darin, dass diese Regierung aufgrund der "illegalen Besetzung" durch die Türkei keine Souveränität über ein Drittel ihres Territoriums habe. Die Bildung einer türkischen Zone im Norden, die der türkisch-zypriotischen Auffassung von Bizonalität entspräche, ist für GZ inakzeptabel. Denn dies würde bedeuten, dass griechisch-zypriotische Flüchtlinge nicht zurückkehren könnten; außerdem führte es zur Beseitigung all dessen, was in diesem Inselteil ursprünglich griechisch war. Die GZ sehen darin keine Wiedervereinigung, sondern eine Verfestigung der Teilung.

Nach türkisch-zypriotischer Auffassung ist es für die Sicherheit und den Frieden auf der Insel notwendig, dass GZ und TZ eher neben- als miteinander leben. Es wird generell davon ausgegangen, dass die Trennung der beiden Volksgruppen dauerhaft ist und dass jede Volksgruppe "ihre eigene innere Struktur in ihrem eigenen Gebiet" organisieren soll. Gegenseitige Eigentumsansprüche könnten dann in beiderseitigem Einverständnis über einen umfassenden Besitzaustausch und Kompensationen gelöst werden. Eine solche Einigung wurde zwar nie erzielt, aber dieses Prinzip bestimmte die Praxis bei der Umsiedlung türkisch-zypriotischer Flüchtlinge aus dem Süden sowie den Umgang mit dem Besitz griechisch-zypriotischer Flüchtlinge.