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Global Governance der internationalen Finanzmärkte


5.2.2009
Die aktuelle Finanzkrise könnte zum Konsens darüber beitragen, dass die internationalen Finanzbeziehungen im Zentrum globaler Politik stehen müssen und keine Resultante zahlloser Marktvektoren sein können.

Einleitung



Die aktuelle Finanzkrise führt uns vor Augen, welche Folgen eine Entkopplung von Real- und Finanzwirtschaft nach sich ziehen kann: Wenn Volumina und Bedeutung von Finanzanlagen in keinem Verhältnis mehr zu ihren zu Grunde liegenden volkswirtschaftlichen Transaktionen stehen, sind eine finanzwirtschaftliche Überhitzung, Blasenbildungen und letztlich der Zusammenbruch sowohl des Finanzsystems als auch der Realwirtschaft kaum vermeidlich. Die besondere Tragweite der aktuellen Krise ergibt sich daraus, dass sich die Entkopplung in einem hoch komplexen System globaler Transaktionen vollzogen hat. Die transnationalen Verflechtungen im globalen Finanzsystem und die aus ihr resultierenden Kettenreaktionen im Krisenfall haben einen ökonomischen Problemdruck hervorgebracht, der in dieser Form historisch wohl einzigartig ist.






Mit diesen Feststellungen geht die Frage nach der Vermeidbarkeit solcher Entkopplungen im internationalen Finanzsystem einher. Krisenzeiten sind deshalb auch immer Analysezeiten. Während wir uns in der schwierigsten Finanz- und Wirtschaftslage seit den 1930er Jahren befinden, entstehen ungemein produktive Diskussionen über die Krisenursachen, aktuelle Handlungsoptionen und mittel- bis langfristig zu leistende Anpassungen der institutionellen Rahmenbedingungen. Das Governance-Konzept erfährt in diesem Kontext eine kleine Renaissance: Wer in den wichtigsten internationalen Pressepublikationen des Jahres 2008 nach Artikeln sucht, in denen sowohl das Wort "Governance" als auch die Wortkombination "financial markets" auftaucht, stellt fest, dass deren Zahl im Oktober 2008 fast sechsmal so hoch war als noch zu Beginn des Jahres.

Worauf bezieht sich Governance im Kontext internationaler Finanzmärkte? Kritiker könnten anmerken, es handele sich bei der gehäuften Verwendung dieses Konzepts um eine euphemistische Vernebelungsfloskel, mit der so getan werde, als gebe es einen Problemlösungsansatz, ohne diesen jedoch benennen zu müssen. In der Tat ist das Governance-Konzept so umfassend, dass es immer Gefahr läuft, seine inhaltliche Breite nicht ausfüllen zu können. Andererseits erscheint das Konzept - besonders in seiner fokussierten Form auf "Global Governance" - bestens geeignet, um die Ursachen der Finanzkrise zu verstehen und politikrelevante Schlussfolgerungen zu ziehen.

Dieser Text wird sich in einem ersten Teil einer Ursachenanalyse der aktuellen Finanzkrise widmen, ehe anhand des Finanzkrisenbeispiels sowohl die Relevanz als auch die Schwierigkeit von Global Governance herausgearbeitet werden. Zum Abschluss wird untersucht, welche regulativen und institutionellen Instrumente notwendig gewesen wären, um die Krise zu vermeiden, ebenso, welche Komponenten zum erfolgreichen Aufbau globaler Governance-Strukturen im globalen Finanzsystem nötig (gewesen) wären.