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27.1.2009 | Von:
Halbauer, Manuel

Editorial

Hunger ist ein Verteilungsproblem, denn ausreichend Nahrung ist vorhanden. Es bedarf eines Kurswechsels in der Agrar- und Handelspolitik sowie neuer Wege zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion.

Als im Frühjahr des vergangenen Jahres stark gestiegene Lebensmittelpreise zu Revolten unter anderem in Haiti, Ägypten und in mehreren westafrikanischen Ländern führten, geriet für kurze Zeit ein lange verdrängtes Problem ins öffentliche und politische Blickfeld: Hunger. Fast eine Milliarde Menschen hungern nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) derzeit weltweit; 40 Millionen sind 2008 hinzugekommen. Globale Versorgungskrisen sind indes kein Phänomen jüngerer Zeit. Die Wurzeln des heutigen Welternährungssystems liegen am Ende des 19. Jahrhunderts. Eine dauerhaft wirksame Strategie zur Verhinderung solcher Versorgungskrisen wurde seither nicht gefunden.

Hunger ist die Folge eines Verteilungsproblems, denn zur Versorgung der nun etwa 6,7 Milliarden Menschen ist ausreichend Nahrung vorhanden. Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums wird es allerdings nötig sein, die landwirtschaftliche Produktion erheblich zu steigern. Wie dies erreicht werden kann, wird kontrovers diskutiert. Während die einen ihre Hoffnung auf die Gentechnik setzen, plädieren andere für die verstärkte Förderung ökologischer Landwirtschaft.

Mittlerweile ist die Nahrungsmittel- von der Finanzkrise aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt worden - gleichwohl bleibt sie akut und wird noch Bestand haben, wenn sich der Finanzsektor wieder stabilisiert und sich die Weltwirtschaft erholt hat. Ihre Hauptursache liegt in der Armut in den Entwicklungsländern. Für diese ist eine Agrar- und Handelspolitik mitverantwortlich, die auf die Interessen der Industrieländer ausgerichtet ist.