APUZ Dossier Bild

27.1.2009 | Von:
Frank Kempken

Mit Grüner Gentechnik gegen den Hunger?

Grüne Gentechnik kann zur Ernährungssicherheit beitragen, indem sie Kulturpflanzen mit integriertem Pflanzenschutz und Trocken- oder Salzresistenz bereitstellt.

Einleitung

Die Gentechnik ist eine noch vergleichsweise neue Methode, die in den 1970er Jahren entwickelt wurde. Die Herstellung einer transgenen Pflanze wurde erstmals 1983 beschrieben. Hierbei bediente man sich eines in der Natur vorkommenden Prozesses, bei dem ein Bakterium Teile seiner Erbsubstanz, chemisch gesehen die Desoxyribonukleinsäure (DNA), und damit einige seiner Gene in das Erbmaterial der Pflanze überträgt und diese damit quasi genetisch umprogrammiert. Dieses Bakterium heißt Agrobacterium tumefaciens und war in den 1970er Jahren als Auslöser von Tumoren bei Pflanzen bekannt. Für die Gentechnik entscheidend war, dass es gelang, das Bakterium so zu manipulieren, dass beliebige Sequenzen in Pflanzen übertragen werden konnten (vgl. Abbildung 1 der PDF-Version). Damit ließen sich die typischen Limitationen der klassischen Pflanzenzüchtung, nämlich die Beschränkung auf nahe verwandte Arten und Gattungen, elegant umgehen.






Jeden Tag entstehen in Forschungslaboren weltweit abertausende von neuen transgenen Organismen. Sie werden aber meist nur zu Forschungszwecken erzeugt und nach Ablauf des Forschungsprojekts vernichtet, ohne je ihr Labor zu verlassen. Erst nach jahrelangen und aufwändigen Untersuchungen kann nach behördlicher Zustimmung - in Europa durch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) - ein Inverkehrbringen (Anbau und/oder Verkauf) erfolgen. Seit dem ersten Experiment sind dann 10 bis 15 Jahre vergangen.[1]

Die gentechnisch veränderten Pflanzen der ersten Generation sind typischer Weise resistent gegen Herbizide oder weisen eine Resistenz gegen Insektenbefall auf. Diese Merkmale sind von Nutzen für Landwirte, denn sie vereinfachen die Anbaubedingungen und führen zu einem insgesamt reduzierten Bedarf an Pflanzenschutzmitteln. Aufgrund ihres integrierten Pflanzenschutzes tragen z.B. insektenresistente Pflanzen zu einer besseren Umweltbilanz gegenüber konventionellen Pflanzen bei. Die weltweit größten Anbauflächen nehmen transgene herbizidresistente Sojabohnen ein, gefolgt von Mais, Baumwolle und Raps. Alle anderen transgenen Kulturpflanzen haben zurzeit noch untergeordnete Bedeutung.[2] Transgene Pflanzen werden nicht nur in Industrieländern, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländern angebaut. Von der Gesamtanbaufläche von weltweit 114 Mio. Hektar befanden sich im Jahr 2007 etwa 49 Mio. Hektar in Schwellen- und Entwicklungsländern. Zum Beispiel hat in Indien 2008 der Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle um 20 % zugenommen und erreicht nun eine Fläche von knapp 7 Mio. Hektar.[3]

Der Beitrag dieser Pflanzen zur Welternährung ist begrenzt und beschränkt sich auf die Reduzierung von Ernteverlusten. Zurzeit sind jedoch neue Pflanzen in der Entwicklung oder stehen kurz vor der Zulassung, die optimierte Inhaltsstoffe aufweisen und/oder einen höheren Ertrag aufweisen. Diese Pflanzen können in Zukunft einen erheblichen und wesentlichen Beitrag zur Welternährung leisten. Allerdings sollte man keine Wunder erwarten. Die Gentechnik vermag Pflanzen interessante neue Eigenschaften zu vermitteln, sie kann aber den mit einem unbegrenzten Wachstum der menschlichen Bevölkerung einhergehenden höheren Bedarf an Nahrung nicht kompensieren. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass Hungersnöte nicht nur in Umweltkatastrophen oder Missernten begründet sind, sondern oft genug politische Gründe haben.

Fußnoten

1.
Vgl. Frank Kempken/Renate Kempken, Gentechnik bei Pflanzen. Chancen und Risiken, Berlin 2006(3), S. 121.
2.
Clive James, International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA ) Brief 37 - 2007: Executive Summary Global Status of Commercialized Biotech/GM Crops: 2007, in: www.isaaa.org/resources/publications/briefs/
37/executivesummary/default.html (3.10. 2008).
3.
Vgl. TransGen - Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln, in: www.transgen.de/aktuell/977.doku.html (9.12. 2008).