30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

27.1.2009 | Von:
Frank Kempken

Mit Grüner Gentechnik gegen den Hunger?

Resistenz gegen biotischen Stress

Konkurrenz durch Unkräuter, Schadinsekten sowie durch Mikroorganismen und Viren ausgelöste Pflanzenkrankheiten führen für Pflanzen zum so genannten biotischen Stress und weltweit zu erheblichen Ernteausfällen. Allein die Konkurrenz durch Unkräuter führt bei Mais, Reis, Weizen, Gerste, Sojabohnen, Baumwolle, Kaffee und Kartoffeln zu weltweiten Ernteverlusten im Umfang von etwa 14 %. Insekten verursachen ca. 15 % und Pilze weitere 13 % Ernteverlust.[4] Durch die Reduktion biotischen Stresses ließen sich also die Erntemengen signifikant erhöhen. In bestimmten Bereichen wurde durch gentechnische Veränderung eine tatsächliche Verbesserung des Ertrages erreicht. So wurden z.B. Pflanzen erzeugt, die resistent gegen bestimmte Herbizide sind. So sind praktisch alle gentechnisch veränderten Sojabohnen, die heute etwa 64 % der Welternte ausmachen, herbizidresistent.[5] Solche transgene Pflanzen mit Resistenz gegen Insekten wurden mithilfe des Bacillus thuringiensis Toxins erzeugt, das giftig für manche Insekten ist. Man spricht hier von so genannten Bt-Pflanzen.[6] Typische Beispiel sind Bt-Mais und Bt-Baumwolle.

Bt-Pflanzen machen den größten Teil der weltweit angebauten transgenen Pflanzen aus. Waren es im Jahre 2000 weltweit noch ca. 43 Mio. Hektar, auf denen transgene Pflanzen angebaut wurden, ist die Fläche bis 2007 auf 114 Mio. Hektar angewachsen (vgl. Abbildung 2 der PDF-Version). Zum Vergleich: 2008 wurde in der EU auf 108 000 Hektar Bt-Mais angebaut, was einen leichten Rückgang gegenüber 2007 bedeutet, da in Frankreich der Anbau seit 2008 verboten ist. Auf Deutschland entfallen etwa 3 180 Hektar. Zum Teil enorme Steigerungen sind in Tschechien, der Slowakei, Polen und Rumänien zu verzeichnen.[7]

Erhebliche Vorteile gegenüber klassischen Anbaumethoden zeigen sich z.B. in Indien bei der Verwendung von Bt-Baumwolle. Hierzu zählen die reduzierte Anwendung von Insektiziden, höhere Ernteerträge und höhere Einkommen der Landwirte.[8] Tatsächlich wurden im Jahr 2008 bereits drei Viertel der indischen Baumwollproduktion mit transgenen Bt-Sorten erzielt.[9] In China verspricht man sich von einer Reduzierung der Pestizide durch die Verwendung transgener Pflanzen eine deutliche Verbesserung der Umweltsituation. Die Bekämpfung von pathogenen Organismen wie Viroiden (infektiöse Erbinformation ohne Virenhülle), Viren, Bakterien oder Pilze zeigt ebenfalls erste Erfolge.[10]

Gentechnische Methoden sind vielversprechend bei der Reduktion von biotischem Stress. Allerdings muss damit gerechnet werden, dass früher oder später Resistenzen auftreten, wie z.B. herbizidresistente Unkräuter, Bt-resistente Insekten usw. Damit würden bisherige Mechanismen wirkungslos und müssten durch andere ersetzt werden. Strategien zur Vermeidung solcher Resistenzen kommen daher eine große Bedeutung zu.[11]

Fußnoten

4.
Vgl. www.agrilexikon.de/schaedlinge.html (9.11. 2008).
5.
Vgl. C. James (Anm. 2).
6.
Vgl. D'Maris Amick Dempsey/Herman Silva/Daniel F. Klessig, Engineering disease and pest resistance in plants, in: Trends in Microbiology, 6 (1998) 2, S. 54 - 61.
7.
Vgl. www.transgen.de/aktuell/979.doku.html (4.12. 2008).
8.
Vgl. C. James (Anm. 2).
9.
Vgl. www.transgen.de/aktuell/977.doku.html (4.12. 2008).
10.
Vgl. Hervé Vanderschuren/Martin Stupak/Johannes Fütterer/Wilhelm Gruissem/Peng Zhang,Engineering resistance to geminiviruses - review and perspectives, in: Plant Biotechnology Journal, 5 (2007) 2, S. 207 - 220.
11.
Vgl. Jörg Romeis/Michael Meissle/Franz Bigler (2006) Transgenic crops expressing Bacillus thuringiensis toxins and biological control, in: Nature Biotechnology, Vol. 24, No. 1 (Januar 2006), S. 63 - 71.