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27.1.2009 | Von:
Frank Kempken

Mit Grüner Gentechnik gegen den Hunger?

Veränderte Inhaltsstoffe

Neben dem Ertrag spielt auch die Qualität der Nahrung eine entscheidende Rolle. Ein erheblicher Teil der Menschheit ernährt sich im Wesentlichen von Reis. Damit verbunden ist ein Mangel an Provitamin A, der nach Angaben der WHO für Millionen von Erblindungen und eine hohe Kindersterblichkeit verantwortlich ist. Allerdings enthält Reis die Substanz Geranylgeranylpyrophosphat, die eine Vorstufe der Provitamin A (β-Carotin)-Synthese darstellt. In manchen Pflanzen, wie z.B. der Narzisse wird diese Reaktion durch vier verschiedene Enzyme katalysiert. Vergleichbare Reaktionswege kommen auch bei Bakterien vor. Eine Kombination von pflanzlichen und bakteriellen Genen wurde in Reispflanzen gentechnisch übertragen. Daraus resultierte der so genannte "Goldene Reis".[16] Zunächst enthielt dieser nur geringe Mengen von β-Carotin, da die verwendeten Steuerelemente (Promotoren) aus der Narzisse im Reis (gehört zu den Gräsern) nur eine geringe Aktivität aufwiesen. Nachdem diese durch solche aus Gräsern ausgetauscht wurden, ergab sich ein wesentlich höherer Gehalt an β-Carotin, der nun ausreichend ist, um Mangelerscheinungen zu unterdrücken. Mittlerweile wurde dieses Merkmal in Sorten eingekreuzt, die in Asien lokal eingesetzt werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen diese Sorten allgemein verfügbar sein. Es steht zu hoffen, dass durch diese neuen Sorten der Mangel an Provitamin A bei überwiegender Reisernährung vermindert wird.

Mittlerweile sind zahlreiche weitere Pflanzen mit gentechnischen Methoden erzeugt worden, die veränderte Inhaltsstoffe aufweisen, darunter z.B. auch eine transgene Maispflanze mit verändertem Provitamin A-Gehalt.[17] Die Reduktion natürlicher allergener Substanzen in transgenen Pflanzen ist ein weiterer Aspekt. Die meisten dieser Pflanzen sind bislang allenfalls in Freilandversuchen getestet worden.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Verzehr von transgenen Pflanzen mit veränderten Inhaltsstoffen Mangelerscheinungen entgegenwirken kann. Nach dem momentanen Stand werden sich viele dieser Pflanzen, die sich zurzeit in Entwicklung befinden, für Drittweltländer kaum eignen, da es sich entweder um Kulturpflanzen handelt, die dort nicht angebaut werden, oder um genetische Modifikationen zur Qualitätsveränderung, die speziell für die Bevölkerung in Industrieländern gedacht sind. Ein Beispiel hierfür wäre eine Rapssorte, die Omega-3-Fettsäuren enthält. Insofern stellt der 'Goldene Reis' eine Ausnahme dar, weil er speziell für die Dritte Welt entwickelt wurde.

Fußnoten

16.
Vgl. Salim Al-Babili/Peter Beyer, Golden Rice - five years on the road - five years to go?, in: Trends in Plant Science, 10 (2005) 12, S. 565 - 573.
17.
Vgl. Maneesha Aluru/Yang Xu/Rong Guo/Zhenguo Wang/Shanshan Li/Wendy White/Kan Wang/ Steve Rodermel, Generation of transgenic maize with enhanced provitamin A content, in: Journal of Experimental Botany, 59 (2008) 13, S. 3551 - 3562.