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27.1.2009 | Von:
Frank Kempken

Mit Grüner Gentechnik gegen den Hunger?

Die Zukunft: Synthese von Gentechnik und Ökologie?

Der Vorteil des ökologischen Landbaus liegt in einem weitgehenden Verzicht auf künstliche Düngemittel und Pestizide und damit in einem nachhaltigen Umweltschutz. Nachteilig ist die geringere Landnutzung, denn die Erträge sind beim ökologischen Landbau um rund 20 bis 30 % geringer als im konventionellen Landbau.[18] Der konventionelle Anbau weist also einen höheren Ertrag auf, aber um den Preis einer höheren Umweltbelastung durch diverse Pestizide. Mit der Übertragung von Genen für Krankheits- und Schädlingsresistenzen auf Ackerpflanzen, Obst und Gemüse stehen uns transgene Pflanzen zur Verfügung, die einen integrierten Pflanzenschutz ohne Umweltbelastung aufweisen. Man kann daher von einer "Öko-Gentechnik" sprechen. Das bedeutet, dass wir in der Lage sind, nachhaltigen Pflanzenanbau mit hohem Ertrag zu kombinieren. In der EU werden aber weiterhin restriktive Maßnahmen gegen transgene Pflanzen ergriffen. So werden zum Beispiel weiterhin keine Toleranzwerte für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen in Agrarimporten eingeführt, was sehr bald zu Lieferengpässen bei Futtermitteln führen wird. Gleichfalls ist die Zulassung von gentechnisch veränderten Sojabohnen der so genannten zweiten Generation vorerst gescheitert, weil sich die Mitgliedstaaten nicht auf eine gemeinsame Einfuhrgenehmigung einigen konnten.

In den deutschen Medien und der Öffentlichkeit herrscht ein negatives Bild der Grünen Gentechnik vor, das sich nur langsam ändert. Die jüngst drastisch gestiegenen Preise für Nahrungsmittel und die damit verbundenen Versorgungsprobleme in Entwicklungs- und Schwellenländern führen hier und da zu einer differenzierteren Betrachtung des Potentials der Grünen Gentechnik. Als prominenteste Vertreterin macht sich seit kurzem die Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard für eine stärkere Unterstützung der Grünen Gentechnik stark.[19] Es steht zu hoffen, dass Frau Nüsslein-Volhard ein tatsächliches Gegengewicht in einer überwiegend emotional geführten Debatte bilden kann, denn ein Wandel der öffentlichen Meinung wäre Voraussetzung für einen weitgehenden Einsatz der "Öko-Gentechnik".

Transgene Pflanzen mit Toleranzen gegen Trockenheit oder versalzte Böden können zusätzliche Anbaugebiete erschließen, ohne bestehende Ökosysteme wie Regenwälder zu zerstören. Sorten wie der "Goldene Reis" liefern wertvolle Vitamine, welche die Ernährungssituation in Hungerregionen erheblich verbessern könnten. Diese offensichtlichen Vorteile sollten nicht leichtfertig aufgegeben werden, denn es ist dringend notwendig, die Welt-Ernährungssituation zu verbessern. Die Gentechnik allein ist dazu nicht in der Lage, aber sie kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Diffuse Ängste und ideologische Vorbehalte sind kein guter Ratgeber für eine gesicherte und qualitativ hochwertige Ernährung von Milliarden von Menschen.

Fußnoten

18.
Vgl. Andrea Beste, Ökologischer Landbau - wie funktioniert er und was kann er leisten?, in: Holger Spieß-Wallbaum/Christian Zepf/Anna-Christina Bockelmann (Hrsg.), Ökologischer Landbau und regionale Vermarktungsstrategien - eine Chance für Klimaschutz und Beschäftigung. Arbeitspapier 26, Hans Böckler Stiftung, Düsseldorf 2000.
19.
Vgl. Interview mit Christine Nüsslein-Volhard, in: Die Zeit vom 27.3. 2008.