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18.12.2008 | Von:
Golz, Hans-Georg

Editorial

Im Kalten Krieg der 1950er Jahre neigte auch der Westen zu ideologischem Freund-Feind-Denken und innenpolitischer Illiberalität. Antikommunismus prägte die politische Kultur der jungen Bundesrepublik.

Der Kalte Krieg begann mit dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition nach ihrem Sieg über die Achsenmächte. Er endete erst, als die Bevölkerungen der Ostblockländer gegen ihre Machthaber aufbegehrten und die Teilung Deutschlands und Europas überwanden. Die Hegemonialmacht Sowjetunion konnte den Preis für die Aufrechterhaltung ihres Imperiums nicht mehr zahlen. Das Wettrüsten im "Neuen Kalten Krieg" ab 1979 nach einem Jahrzehnt der Entspannung hatte sie wirtschaftlich, die Abschottung moralisch ruiniert. Mit der Auflösung der Blöcke setzte eine neue Phase der Weltpolitik ein. Die Konturen einer neuen, vielleicht multipolaren Ordnung gewinnen erst heute allmählich an Schärfe.

Die Hochphase des Kalten Krieges lag in den 1950er Jahren. Das Menetekel der nuklearen Konfrontation vor Augen, war man in den USA wie in der Sowjetunion bestrebt, den eigenen Machtbereich abzusichern und auszubauen. Auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs herrschte die Überzeugung vor, im globalen Wettlauf der Systeme letztlich die Oberhand zu behalten.

Auch der Westen neigte zu ideologisch aufgeladenem Freund-Feind-Denken und innenpolitischer Illiberalität. Antikommunismus prägte die politische Kultur der jungen Bundesrepublik. Spätestens seit der blutigen Niederschlagung der Volksaufstände in der DDR im Sommer 1953 und in Ungarn 1956 durch sowjetische Truppen schien das Gefühl der Bedrohung aus dem Osten berechtigt. Es galt, der "kommunistischen Unterwanderung" wirksam zu begegnen. Dabei war die Bundesrepublik des "Wirtschaftswunders" für die meisten Deutschen unendlich attraktiver als der graue Ulbricht-Staat von sowjetischen Gnaden. Als im August 1961 der Mauerbau begann, hatten Millionen Menschen die DDR bereits gen Westen verlassen.