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13.12.2010 | Von:
Piepenbrink, Johannes

Editorial

2010 war das "Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung". In westlichen Industriestaaten wie Deutschland wird häufig von "relativer Armut" gesprochen. Anders als "absolute Armut", die zum Beispiel in vielen Ländern der "Dritten Welt" verbreitet ist und die davon Betroffenen existenziell bedroht, wirkt die hiesige, "relative Armut" nur selten unmittelbar lebensgefährdend: Wer hierzulande als arm gilt, hat zumindest Anspruch auf eine staatliche Grundsicherung ("Hartz IV") und muss nicht zwangsläufig Hunger leiden. Die Armutsquote allein sagt daher weniger über die Verbreitung von Armut als solcher aus - schon, weil Armut individuell ganz unterschiedlich erlebt wird - als vielmehr über den Grad der sozialen Ungleichheit einer Gesellschaft.

Dass die drei seit 2001 veröffentlichten Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung sowie zahlreiche andere Studien eine beständig steigende Armutsrisikoquote in Deutschland dokumentieren, ist deshalb nicht weniger alarmierend. Denn wenn immer mehr Menschen unter geringeren Teilhabechancen und sozialer Ausgrenzung leiden, kann das auf Dauer dem gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt schaden. Vor allem alleinerziehende oder kinderreiche Familien, Menschen ohne Arbeit, ohne Bildungsabschluss oder mit Migrationshintergrund sind armutsgefährdet. Dabei zeigt sich, dass es für diejenigen, die einmal in Armut geraten sind, immer schwieriger wird, sich wieder aus ihr zu befreien.

Verheerend ist es, wenn die sich ohnehin zuspitzende soziale Polarisierung durch eine pauschale Stigmatisierung der Armen oder der Empfänger von Arbeitslosengeld II verstärkt wird, wie etwa zuletzt in Diskussionen um eine "schwindende Mittelschicht". Doch unabhängig davon, ob diese These zutrifft oder nicht - das Thema Armut stößt offenbar auch in der Mitte der Gesellschaft auf immer größeres Interesse.


Zahlen und Fakten

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