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13.12.2010 | Von:
Claudia Nospickel

Armutsbekämpfung durch Corporate Social Responsibility?

Vor dem Hintergrund steigender Armutsraten und sinkender Löhne im Niedriglohnsektor stellt sich die Frage, inwieweit freiwilliges unternehmerisches Engagement einen Beitrag leisten kann, dieser Entwicklung entgegenzusteuern.

Einleitung

Die jüngsten Wachstumsprognosen bestätigen, dass Deutschland wirtschaftlich gestärkt aus der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre hervorgegangen ist. Der Export boomt wieder, und die Arbeitslosenzahlen sind unter die Drei-Millionen-Grenze gesunken. Zugleich wird über zunehmende Armut diskutiert und das Entstehen einer "Unterschicht" heraufbeschworen.[1] Denn ungeachtet aller Wachstumsprognosen zeigt sich ein Trend zur Polarisierung der Einkommen, der ein steigendes Ausmaß an Armut mit sich bringt. Immer mehr Menschen müssen mit immer weniger Geld auskommen und stocken ihr Gehalt durch staatliche Sozialtransfers auf. Diese Entwicklung birgt die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft, in welcher der bisher geltende, auf den Abbau sozialer Ungleichheit gerichtete gesellschaftliche Konsens auf den Prüfstand gestellt wird.

Unter dem Stichwort Corporate Social Responsibility (CSR) weisen Unternehmen auf ihre soziale Verantwortung hin, und eine vermeintlich neue Form gesellschaftlichen Engagements gerät ins öffentliche und politische Bewusstsein. Das Interesse hieran ist in den vergangenen fünf Jahren erheblich gestiegen.[2] Dabei ist das Thema nicht neu: So verwies der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier 2008 bei der Eröffnung der Konferenz "Unternehmen in Verantwortung" auf das soziale Engagement von Bosch und Siemens vor 130 Jahren.[3] Zweieinhalb Jahre später, im Oktober 2010, hat die Bundesregierung einen Aktionsplan zum Thema CSR vorgelegt, der in Kooperation mit Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften erarbeitet wurde.[4]

Eine Analyse beider Trends - der Anstieg der Armut im Kontext einer steigenden gesellschaftlichen Polarisierung auf der einen Seite und das aufkommende Interesse an unternehmerischer Verantwortung auf der anderen - wirft die Frage auf, welche Rolle Armut in Deutschland in den CSR-Aktivitäten einnimmt. In welchen Bereichen kann CSR einen gesamtgesellschaftlich sinnvollen Weg zur Armutsbekämpfung darstellen?

Fußnoten

1.
Vgl. z.B. Christoph Butterwegge, Armut in einem reichen Land, Frankfurt/M. 2009 sowie die aktuelle Diskussion zu den Thesen Thilo Sarrazins.
2.
Vgl. z.B. Deutsche Telekom, Wir leben Verantwortung. Corporate Social Responsibility Bericht, Bonn 2009; Janine Curbach, Die Corporate-Social-Responsibility-Bewegung, Wiesbaden 2009.
3.
Vgl. Frank-Walter Steinmeier, Gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer globalisierten Welt. Rede zur Eröffnung der der Konferenz "Unternehmen in Verantwortung. Ein Gewinn für alle", Berlin 29.4.2008, online: www.csr-in-deutschland.de (26.11.2010).
4.
Vgl. Nationale Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility - CSR) - Aktionsplan CSR - der Bundesregierung, Berlin 2010, online: www.csr-in-deutschland.de/
portal/generator/15040/property=data/
2010__10__06__aktionsplan__csr.pdf (26.11.2010).

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