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8.12.2010 | Von:
Harald Müller
Niklas Schörnig

Drohnenkrieg: Die konsequente Fortsetzung der westlichen Revolution in Military Affairs

Die fortdauernde Illusion des führbaren Krieges

Die RMA und die Wette auf die Kampfdrohne als Schlüsselinstrument der Kriegführung schreiben das neueste Kapitel in einer unendlichen Geschichte der Menschheitsentwicklung: die Verwirklichung des Traumes vom unblutigen Krieg mit garantiertem Sieg. Die Armbrust und der Langbogen, die Schusswaffe, die Chemiewaffe, das Kampfflugzeug, die "reinrassige" Panzerdivision, um nur einige Etappen dieser Geschichte zu benennen, erzeugten und bedienten zuerst hochfliegende Erwartungen und endeten in der bitteren Enttäuschung, dass der Krieg eben doch blutig blieb und gelegentlich in der Niederlage endete.

In unseren heutigen Demokratien verbinden sich technologische Fähigkeiten mit der Sehnsucht nach dem unblutigen Sieg und der Hoffnung, der Menschheit Gutes zu tun: das Recht durchzusetzen, die Tyrannen zu besiegen, bedrängte Menschen zu schützen, staatliche und gesellschaftliche Ordnung ins Chaos zu bringen. Die Kombination beider Elemente, der guten Zwecke und der schonenden Mittel, ist ein besonders gefährlicher Illusionsproduzent. Denn der Krieg bleibt, was er ist: das gewaltsame Aufeinanderprallen zweier gegensätzlicher politischer Willen, die sich nicht nachgeben wollen.

Der Gegner ist kein passives Objekt, sondern erfindungsreich, listig, reaktiv und aktiv zugleich. Deshalb geschieht im Krieg stets das Überraschende und Unerwünschte. Das macht es unendlich schwer, selbst mit modernsten militärischen Mitteln Ordnung zu stiften, wie die Erfahrungen im Irak und Afghanistan beweisen. Die Chaosstifter haben es da leichter. Ordnung wird immer nach dem risikoreichen Einsatz in der Fläche verlangen, mit der Konsequenz hoher Risiken für die eigenen Soldaten und die zu schützende Bevölkerung. Gegen den entschlossenen Gegner hilft technische Überlegenheit nur begrenzt. Und mit zeitlicher Verzögerung nimmt der Gegner eben auch am militärtechnischen Fortschritt teil, wie beispielsweise Israel bei verschiedenen Drohnenangriffen der Hamas schmerzlich erfahren musste.

Westliche Gesellschaften und ihre politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger tun daher gut daran, das Motto von der militärischen Gewalt als ultima ratio bitter ernst zu nehmen und den Verlockungen der als unblutig angepriesenen neuen Waffensystemen zu widerstehen. Der leichte Anfangssieg bedeutet eben nicht mission accomplished - das dicke Ende kommt nach, mit oder ohne Kampfdrohnen. Und darauf sollte sich nur einlassen, wer wirklich muss und nicht anders kann.