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28.10.2010 | Von:
Jan Schedler

"Autonome Nationalisten"

Ideologie

Allen ästhetischen und semantischen Anleihen aus der radikalen Linken zum Trotz ist diese Abgrenzung nicht ideologischer Natur, wie "Autonome Nationalisten" angesichts andauernder Kritik aus den eigenen Reihen nicht müde werden zu betonen. Es handele sich lediglich um eine Aktionsform, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt habe, nicht jedoch um eine eigene Weltanschauung: "Der Autonome Nationalismus bezeichnet eine Agitationsform, welche sich die letzten Jahre innerhalb der nationalen Bewegung entwickelt hat. Eine eigene Weltanschauung o.Ä. ist mit AN nicht gemeint."[8]

Die im Mittelpunkt stehende Adaption von Ausdrucksformen der Linken korrespondiert dabei nicht mit einer ideologischen Flexibilisierung. Zwar bedienen sich die AN mit Transparentaufschriften wie "Kapitalismus abschaffen" oder "Freiheit für alle - aus dem System ausbrechen" semantischer Anleihen beim politischen Gegner. Tatsächlich versuchen sie, Deutungskämpfe um politische Themenfelder zu führen, die traditionell von der Linken besetzt sind. Kern ihrer Agitation sind mit völkischem Antikapitalismus und Antisemitismus zentrale Ideologieelemente des Nationalsozialismus, welche die AN mit Blick auf gegenwärtige Feindbilder und Ressentiments zu aktualisieren suchen, um sich auf diese Weise neue Zielgruppen zu erschließen. Inhaltlich handelt es sich nicht um eine Modernisierung, sondern um eine Aktualisierung von - im Kern unveränderten - ideologischen Deutungsangeboten. Außerdem verfolgen die AN mit den gewandelten Darstellungsformen eine Strategie der Dekontextualisierung, indem sie in der Vermittlung ihrer politischen Ziele gezielt versuchen, diese von ihren historischen und ideologischen Zusammenhängen zu entkoppeln.

Fußnoten

8.
Bundesweit genutztes Positionspapier der AN, o.J., online: www.logr.org/fnmitte/?page_id=37 (14.4.2010), http://bayerischeruntermain.wordpress.com/
ueber-uns/der-autonome-nationalismus-eine-agitationsform/ (13.9.2010).