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28.10.2010 | Von:
Jan Schedler

"Autonome Nationalisten"

Gewalt

Die extreme Rechte betrachtet Kampf beziehungsweise Krieg ihrer sozialdarwinistischen Ideologie entsprechend als ontologische Seinskategorie.[15] Die Anwendung von Gewalt gilt daher zumindest in weiten Teilen des neonazistischen Spektrums als legitim. Während sich NPD und viele Kameradschaften um ein möglichst gesetzeskonformes Verhalten bemühen, um politische Inhalte an breite Bevölkerungsschichten zu vermitteln und unter diesen Sympathisanten zu gewinnen, sind den AN solche Bestrebungen fremd. Die provokativ zur Schau getragene Gewaltbereitschaft und das aggressive Auftreten sind zentrale Elemente ihres politischen Selbstverständnisses. Ihre ostentative Gewaltbereitschaft äußert sich nicht nur in rebellischen Parolen wie "Autonom, militant, nationaler Widerstand", sondern findet ihren Ausdruck auch in martialischen Darstellungsformen. Gewalt ist jedoch nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein konstitutives Element der spezifischen extrem rechten Erlebniswelt der AN: Durch ihren kulturellen Habitus wird Gewalt auf einer symbolischen und einer faktischen Ebene ästhetisiert und legitimiert.[16]

Fußnoten

15.
Vgl. Fabian Virchow, Gegen den Zivilismus. Internationale Beziehungen und Militär in den politischen Konzeptionen der extremen Rechten, Hamburg 2006, S. 72ff.
16.
Vgl. Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. (Hrsg.), Die "Autonomen Nationalisten" als Erscheinungsform des Rechtsextremismus, Hintergrundpapier, (2008) 1, Magdeburg-Halle/S. 2008.