APUZ Dossier Bild

28.10.2010 | Von:
Roland Eckert

Kulturelle Homogenität und aggressive Intoleranz. Eine Kritik der Neuen Rechten

Ethnopluralismus - was ist das?

Im Zentrum der Gedankenwelt der Neuen Rechten steht das "Recht auf kulturelle Differenz" von unterschiedlichen Ethnien und Nationen auf möglichst getrennten Territorien. Das demokratische Subjekt werde nicht von Individuen, sondern vom "Volk" beziehungsweise von ethnischen und religiösen Gemeinschaften konstituiert. Weil die Ideen von Alain de Benoist nicht unmittelbar durch nationalsozialistische Verbrechen diskreditiert sind, eignen sie sich eher zur Legitimation einer Politik der kulturellen Homogenität, die gegen Einwanderung, "Vermassung",[9] "Amerikanisierung"[10] und insbesondere gegen den Liberalismus und "Individualismus" in der Menschenrechtstradition gerichtet ist. Diese ethnopluralistische Kulturtheorie wird durch das Freund-Feind-Theorem von Carl Schmitt und die Annahme eines "Aggressionstriebes" nach Konrad Lorenz überlagert,[11] der, so Lorenz, in der Gegenwart durch ein "Erlahmen der Abwehrbereitschaft"[12] geschwächt sei. Götz Kubitschek vermutet in dieser Tradition, dass die heutige "weiche, pathologische Form der Toleranz tatsächlich ein wichtiger Indikator für einen an das Ende seiner Kraft gelangten Lebensentwurf, hier also: den europäischen"[13] sei. Weil Völker "Wesenheiten mit eigener Persönlichkeit" seien, "die sich im Lauf der Geschichte geprägt"[14] haben und zum Träger des "Politischen", also des Staates bestimmt seien, müssten diese sich vor Überfremdung schützen.

Fußnoten

9.
Alain de Benoist, Aufstand der Kulturen. Europäisches Manifest für das 21. Jahrhundert, Berlin 2003, S. 13.
10.
Ebd., S. 128.
11.
Vgl. Karlheinz Weißmann, Krieg - nur eine Erfindung?, in: Sezession, (2003) 1.
12.
Vgl. Konrad Lorenz, Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit, München 1974.
13.
Götz Kubitschek, Die 9. Todsünde der zivilisierten Menschheit, in: Sezession, (2009) 28, S. 26.
14.
A.d. Benoist (Anm. 9), S. 42.