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28.10.2010 | Von:
Roland Eckert

Kulturelle Homogenität und aggressive Intoleranz. Eine Kritik der Neuen Rechten

Recht auf Differenz

In dieser Situation verkündet die Neue Rechte, Kosmos, Natur und Mensch seien auf "Verschiedenheit"[15] ausgerichtet. Darum sollten sich auch Völker und Kulturgemeinschaften voneinander unterscheiden. Verschieden zu sein, sei ein Schutzrecht für traditionelle Gesellschaften und ein Abwehrrecht für Völker, die von Migration betroffen sind. Menschenrechte dagegen werden (in der Tradition Carl Schmitts) vor allem als "Neutralisierung des Politischen durch die Moral",[16] als "ideologische Verkleidung der Globalisierung" und "Fortsetzung des kolonialen Syndroms" gewertet.[17]

Wenig kontrovers ist dabei das Recht, "verschieden" zu sein, das jedem Menschen, jeder Gemeinschaft, jeder Kultur zuzugestehen ist. Wir alle leben in Familien, haben eine Heimat, eine Sprache und sind durch sie mit einer größeren Gemeinschaft und deren Geschichte unlöslich verknüpft. Die konkrete, persönliche und verwandtschaftliche Loyalität, die daraus erwächst, steht aber keineswegs im Gegensatz zu den Menschenrechten. Denn diese schließen durchaus das Recht ein, von anderen verschieden zu sein. Sie werden daher auch von Minoritäten in Anspruch genommen, in denen der Individualismus kaum eine Rolle spielt. Die Anerkennung möglicher Differenz ist ein Element von Rechtsstaat und Demokratie und hat auch eine herausragende Bedeutung für die Formen, in denen Konflikte ausgetragen werden. Versuche, ethnische, kulturelle oder religiöse Homogenität durch die Unterdrückung von Religion, durch Sprachverbote und bürokratische Schikanen zu erzwingen, führen langfristig in Bürgerkrieg oder Terrorismus, wie sich in Spanien, der Türkei, in Sri Lanka und anderen Staaten gezeigt hat.

Fußnoten

15.
Ebd., S. 128.
16.
Ebd., S. 27.
17.
Alain de Benoist, Kritik der Menschenrechte. Warum Universalismus und Globalisierung die Freiheit bedrohen, Berlin 2004, S. 10, S. 74.