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19.10.2010 | Von:
Guy Kirsch

Die Euro-Krise ist (nicht nur) eine Währungskrise - Essay

Die Europäische Union steht am Scheideweg: Will man die Vorteile einer gemeinsamen Währung haben, müssen die Mitgliedstaaten auf wirtschafts- und finanzpolitische Souveränität verzichten.

Einleitung

Krisen sind Situationen, in denen es nicht so weitergehen kann wie bisher: Entweder entwickelt sich die Lage zum definitiv Schlechteren oder aber sie dreht zum entschieden Besseren. Entsprechend lösen Krisen oft Besorgnis, Angst, ja Panik aus; entsprechend mag ihnen aber auch mit Hoffnung und Zuversicht begegnet werden.

Mag nun zutreffen, dass Krisen Wendepunkte zum Besseren oder aber zum Schlechteren sind, so ist auch richtig: Ob sie sich in Richtung Katastrophe entwickeln oder aber neue, bessere Möglichkeiten bieten, hängt gemeinhin auch von jenen Entscheidungen ab, die in der Krise von den Verantwortlichen getroffen werden. Reduziert sich deren Handeln auf ein kleinmütiges und kurzsichtiges Management der momentanen Krisensymptome, so werden die Chancen zum Besseren eher nicht genutzt. Reicht aber die Politik über die augenblickliche Situation hinaus, dann erkennt und stärkt sie im Krisengeschehen die Ansatzpunkte zum Besseren. Im ersten Fall haben wir es gleichsam mit Ärzten zu tun, die sich damit begnügen, das Fieber, also ein Krankheitssymptom, zu bekämpfen; im zweiten Fall zielt die Therapie darauf ab, die Krankheitsursachen zu beseitigen.

Was allgemein gilt, gilt auch für die Euro-Krise. Und hier muss nun festgestellt werden, dass sich gegenwärtig die Reaktionen auf die Krise eher darauf beschränken, die momentanen Krisensymptome anzugehen, sie aber weniger darauf abstellen, die tieferen Ursachen der Euro-Krise zu diagnostizieren und entsprechende Reformen einzuleiten.