APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 Pfeil rechts

Venezuela: Lektüre eines geteilten Landes


4.10.2010
Das Phänomen Hugo Chávez ruft viele Fragen hervor. Die wichtigste bezieht sich auf die wahre Natur seines Regimes: Kann man tatsächlich noch von einer Demokratie sprechen?

Einleitung



Im Dezember 1998 wurde der Militäroffizier und Exputschist Hugo Chávez Frías zum Präsidenten Venezuelas gewählt. Sein provokatives Auftreten in der Öffentlichkeit und seine selbsternannte Bolivarische (und nun auch Sozialistische) Revolution sorgen dafür, dass das Land immer wieder auf den Titelseiten der wichtigsten Medien erscheint. Das Phänomen Chávez ruft eine unendliche Anzahl an Fragen hervor. Die meisten sind mit seiner Persönlichkeit, seinen nicht weniger auffälligen internationalen Auftritten, aber vor allem mit der wahren Natur des von ihm präsidierten Regimes verbunden: Handelt es sich um eine Demokratie oder um eine Diktatur? Finden Wahlen statt? Sind diese sauber? Wenn Chávez so schlecht ist, wieso gewinnt er sie?

Ziel dieses Artikels ist es, einige dieser Fragen zu beantworten, indem eine Perspektive der Lage Venezuelas vorgestellt wird, die dem Leser die Hintergründe näher bringt. Dafür wird zunächst ein Blick auf die Gesellschaft Ende der 1990er Jahre geworfen, um anschließend zu erläutern, wie es dazu kommen konnte, dass Chávez die Institutionen des demokratischen Systems zerlegen konnte, während er weiterhin hohe Popularität genießt und einen auf kontinuierlichen Wahlsiegen basierenden Schein der Legitimation wahrt.[1]




Fußnoten

1.
Das Interesse, das Begriffe wie Revolution, Bolivarianismus und "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" verursachen, ist uns bewusst. Leider würde eine detaillierte Analyse einer solchen ideologisch-dialektischen Debatte und der dahinterstehenden Absichten und Handlungen den praktischen Rahmen, den wir für diese Arbeit aufgestellt haben, sprengen.

 

Dossier

Lateinamerika

Lateinamerika befindet sich mitten im Umbruch. Demokratische Strukturen haben sich etabliert, doch die soziale Anspannung ist geblieben. Das Dossier schildert die jüngsten politischen Entwicklungen in 19 Staaten. Im Mittelpunkt stehen zudem die sozialen Bewegungen, aber auch Themen wie Bildung, Emanzipation und Menschenrechte. Weiter...